Bei Rheuma können Begleiterkrankungen viele andere Organe in Mitleidenschaft ziehen


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Konferenzberichte by Medscape
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Die krankheitstypischen Symptome einer entzündlich-rheumatischen Erkrankungen sind für viele Patienten mitunter das kleinere Problem. „Bis zu 80 Prozent der Rheumapatienten sind von Begleiterkrankungen betroffen“, sagte Prof. Dr. Andreas Krause, Chefarzt im Immanuel Krankenhaus Berlin auf der Online-Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) und verwies auf die epidemiologischen Daten des Deutschen Rheuma Forschungszentrums.

Zwar führen Gelenkschmerzen und Muskelschmerzen die Patienten am häufigsten zum Rheumatologen, aber der Entzündungsprozess bei einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung sei eben nicht auf den Bewegungsapparat beschränkt und schon gar nicht nur auf die Gelenke: „Wir haben es mit einem generalisierten Entzündungsprozess zu tun und die Entzündung kann sich auf andere Organe ausweiten“, stellte Krause klar.

Der kardiovaskulären Risiken hat sich die DGRh jetzt angenommen und eine Leitlinie in Auftrag gegeben, die das Management dieser Risiken bei Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen erläutert.

Folgeerkrankungen oft unterschätzt

Bei den Begleiterkrankungen wird grundsätzlich unterschieden in extraartikuläre Organmanifestationen und Folgeerkrankungen. Erstere sind typisch für die Kollagenosen: „Von diesem Prototyp der entzündlichen Systemerkrankung ist lange bekannt, dass er auch die Haut oder die Nieren oder das Nervensystem befallen kann. Gleiches gilt für die Vaskulitiden. Dass die Lunge oder auch andere Organe betroffen sein können, wissen wir aber auch von der Rheumatoiden Arthritis“, berichtete Krause.

Für die sachgerechte Diagnostik und Therapie sei dieses Wissen sehr wichtig: „Die Auswahl der Medikamente hängt wesentlich davon ab, wo sich die Erkrankung überall manifestiert.“ Und die Lebensqualität aber auch die Prognose werden maßgeblich von den Begleiterkrankungen beeinflusst. Dennoch werden Folgeerkrankungen oftmals unterschätzt.

Zu den wichtigsten zählen die kardiovaskulären Erkrankungen. „Jeder weiß, dass Diabetes oder Bluthochdruck schlecht für das Herz-Kreislauf-System sind, aber die wenigsten beachten, dass auch die RA oder jede chronische entzündlich-rheumatische Erkrankung einen ganz erheblichen Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen darstellen“, betonte Krause. Entsprechend zählen Schlaganfall, Herzinfarkt und Hypertonie zu den häufigsten Todesursachen bei Patienten mit Rheumatoider Arthritis.

Häufig ist auch die Lunge in Mitleidenschaft gezogen. Interstitielle Lungenerkrankungen sind bei manchen rheumatischen Erkrankungen bei über der Hälfte aller Patienten nachweisbar, oft schon früh im Krankheitsverlauf.

„Es ist nicht unbedingt die rheumatische Erkrankung selbst, die die große Belastung für den Patienten ausmacht, sondern es sind häufig die Folgeerkrankungen“, betonte Krause.

Typische Risikofaktoren für Komplikationen sind daneben Rauchen, Diabetes mellitus, nicht ausreichend therapierte chronische Entzündungen und auch die langfristige Gabe von Kortison.

Auf Kortison möglichst verzichten

Nicht erst seit COVID-19 ist für Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen das Risiko für schwere Infektionen erhöht. Sowohl der Einsatz von Biologika als auch das Einsparen von Glukokortikoiden kann das Infektionsrisiko verringern.

Natürlich gebe es Krankheitsverläufe bei deren Behandlung man nicht ohne Kortison auskomme. „Aber wir wissen, dass Kortison einen Risikofaktor darstellt für eine Reihe von möglichen Komplikationen“, so Krause. Es gebe zudem Hinweise, dass eine dauerhafte Glukokortikoid-Gabe über 6 Monate bei Rheumatoider Arthritis die Krankheitsaktivität nicht reduziert.

In den Leitlinien zur medikamentösen Therapie der RA sei eines der Ziele, Kortison konsequent zu reduzieren und wenn möglich abzusetzen. „Mit den Behandlungsmöglichkeiten, die wir heute haben, sollte das bei den meisten Patienten auch gelingen“, stellte Krause klar.

Seiner Erfahrung nach wird niedrig dosiertes Kortison in der Therapie noch häufig als unproblematisch angesehen, doch das sei es eben nicht. Krause wies zudem auf die Notwendigkeit einer Infektionsprophylaxe durch Impfungen hin. Es sei wichtig, regelmäßig den Impfstatus zu kontrollieren und Impflücken zu schließen. 

Dieser Artikel von Ute Eppinger ist im Original erschienen auf medscape.de