Bei Lymphomen in jungen Jahren sollte ein BRCA2-Gentest erfolgen

  • JAMA Oncology

  • von Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Kinder und Jugendliche, die an einem Non-Hodgkin-Lymphom (NHL) erkranken, sollten auf Keimbahnmutationen im BRCA2-Gen untersucht werden. Denn das Risiko für ein NHL ist bei pathogenen BRCA2-Mutationen um den Faktor 5 erhöht im Vergleich zu Menschen ohne solche Genveränderungen. Liegt eine Mutation vor, haben nicht nur die lymphomkranken Kinder ein erhöhtes Risiko für weitere Malignome, auch Verwandte könnten betroffen sein.

Hintergrund
Mutationen in den BRCA1- und -2-Genen sind mit einem erhöhten Risiko für Tumore im Erwachsenenalter assoziiert: Mamma-, Ovarial-, Pankreas- und Prostatakarzinome. Über einen potenziellen Zusammenhang von BRCA2-Gen-Veränderungen und hämatologischen Tumoren bei Kindern und Jugendlichen war bislang wenig bekannt. Diese Lücke füllt eine große Registerstudie aus den USA.

Design

  •  Analyse aus dem Register des St. Jude Children‘s Research Hospital in Memphis, Tennessee
  • 1.380 Überlebende von NHL (n = 565) oder Hodgkin-Lymphomen (n = 815)
  • Alter bei Diagnose: median 13,4 Jahre
  • Zeit seit Diagnose: mindestens 5 Jahre
  • Diagnostik: Sequenzierung des kompletten Genoms auf Basis von Blut- oder Mundschleimhautproben

Hauptergebnisse
Es wurden 13 pathogene (p) oder wahrscheinlich pathogene (likely pathogene; lp) Mutationen im BRCA2-Gen bei den Lymphomüberlebenden gefunden. Im Vergleich mit gematchten Kontrollen ohne Malignom war das Risiko für eine Hodgkin-Lymphom-Erkrankung um den Faktor 2,1 erhöht, wenn eine der p/lp BRCA2-Mutation vorlag. Die Risikoerhöhung erreichte aber bei den Hodgkin-Lymphomen keine statistische Signifikanz.

Anders bei Non-Hodgkin-Lymphomen. Bei Vorliegen von p/lp BRCA2-Veränderungen stieg das Risiko für ein NHL um den Faktor 5,0, und diese Risikoerhöhung war mit einem p-Wert

Klinische Bedeutung
Bei Non-Hodgkin-Lymphom-Erkrankungen in jungen Jahren sollte eine genetische Untersuchung auf Keimbahnmutationen im BRCA2-Gen angeboten werden, um Patienten mit solchen Genveränderungen durch Screenings vor fortgeschrittenen, BRCA2-assoziierten Malignomen schützen zu können. Je nach Familienkonstellation sollte auch eine genetische Beratung Verwandter erfolgen.

Finanzierung: Stiftungsgelder