Bei der kardiovaskulären Primärprävention liegt in Europa einiges im Argen


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften

Menschen mit erhöhtem Risiko für Herz-Erkrankungen und Schlaganfälle führen meist einen ungesunden Lebenstil. Bei vielen sind kardiovaskuläre Risikofaktoren schlecht kontrolliert, wie Daten der EUROASPIRE-V-Studie zeigen, die kürzlich auf dem Weltkongress für Kardiologie und kardiovaskuläre Gesundheit in Dubai vorgestellt worden sind. Eine gesunde Lebensweise könnte die meisten kardiovaskulären Erkrankungsfälle verhindern. 

Hintergrund

Kardiovaskuläre Erkrankungen sind die Haupttodesursache in Europa. Pro Jahr wird bei mehr als elf Millionen Menschen in Europa erstmals eine kardiovaskuläre Erkrankung diagnostiziert; die Zahl der kardiovaskulären Todesfälle betrage pro Jahr rund 3,9 Millionen. In den EUROASPIRE-Studien werden Daten zur Prävention kardiovaskulärer Erkrankungen aus den Mitgliedsstaaten der Europäischen Kardiologen-Gesellschaft gesammelt. In der EUROASPIRE-V-Studie geht es um Daten aus der Primärversorgung. Die in Dubai präsentierten Daten stammen aus 78 Hausarzt-Praxen in 16 EU-Ländern. Die knapp 2800 Patienten waren unter 80 Jahre alt und hatten keine manifeste kardiovaskuläre Erkrankung, galten aber als kardiovaskuläre Hochrisiko-Patienten. 

Hauptergebnisse

Laut Professor Kornelia Kotseva (EUROASPIRE Steering Committee; Imperial College London) zeigen die Daten, dass nur 47 Prozent der Patienten mit antihypertensiver Therapie die angezielten Blutdruckwerte von unter 140/90 mmHg erreichen. Von den Patienten mit Lipidsenkern hätten nur 43 Prozent LDL-C-Werte unterhalb von 2,5 mmol/l. Nur bei zwei Drittel der Typ-2-Diabetiker habe der HbA1c-Wert unter 7,0 Prozent gelegen. Außerdem hätten viele Menschen erhöhte Blutdruck- und Cholesterinwerte, nähmen aber dennoch keine Lipidsenker und Antihypertensiva ein. 

Fast zwei Drittel der Patienten hatten eine zentrale Adipositas, 37 Prozent waren übergewichtig (BMI 25 bis 29,9) und 44 Prozent adipös (BMI mindestens 30). 18 Prozent waren Raucher; nur 36 Prozent trieben so viel Sport wie empfohlen (mindestens 30 Minuten 5x pro Woche). 

Klinische Bedeutung

Die Daten zeigen, dass die Bemühungen um die Prävention von Herzgefäß-Krankheiten bei Menschen mit hohem Risiko dafür weiter verstärkt werden müssen. Laut Kotseva sind hier vor allem die Hausärzte gefordert, die grundsätzlich auf alle relevanten kardiovaskulären Risikofaktoren achten sollten  - und nicht nur auf ein oder zwei Faktoren. Die Daten sprechen laut Kotseva auch dafür, dass mehr in die Prävention investiert werden müsse. 

Finanzierung der EUROASPIRE-Studien: Amgen, Elli Lilly, Ferrer, NovoNordisk, Pfizer und Sanofi. Diese Sponsoren hatten keinen Einfluss auf Design, Daten-Sammlung, Daten-Analyse und- Interpretation.