Bei angeborenen Herzfehlern ist das Krebsrisiko im jungen und mittleren Erwachsenenalter deutlich erhöht


  • Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Patienten mit angeborenen Herzfehlern erkranken bis zum 40. Lebensjahr mehr als doppelt so häufig an einem Malignom wie die Normalbevölkerung ohne kongenitale Anomalien des Herzens. Das kumulative Krebsrisiko ist in den Geburtsjahrgängen ab 1990 höher als in den Geburtsjahrgängen der 70er Jahre. Die Belastung mit ionisierender Strahlung durch Diagnostik und Therapie wird als wesentlicher Grund vermutet. Sie sollte möglichst reduziert werden.

Hintergrund
Strukturelle Herzfehler gehören zu den häufigsten Fehlbildungen des Menschen . Circa 8–10 von 1.000 lebend geborenen Kinder haben einen angeborenen Herzfehler. Der Ventrikelseptumdefekt ist der häufigste und macht mit 49 Prozent fast die Hälfte der angeborenen Herzfehler aus (1). Es folgen der Vorhofseptumdefekt (ca. 17 Prozent) und der offene Ductus arteriosus (4,3 Prozent), die vielen anderen Anomalien sind seltener. Schon seit Längerem ist bekannt, dass Menschen mit angeborenen Herzfehlern ein erhöhtes Malignomsrisiko haben. Bisher aber gab es wenig Daten zum Krebsrisiko im jungen Erwachsenenalter. Diese Lücke schließt eine Registerstudie aus Schweden (2) .

Design

  • prospektive, gematchte Registerstudie aus Schweden
  • 1. Kohorte: Einwohner mit angeborenen Herzfehlern (CHD) aus den Geburtsjahrgängen 1970–79, 1980–89 und 1990–93 (n = 21.982)
  • 2. Kohorte: in Bezug auf relevante Kofaktoren gematchte Kontrollen ohne kongenitale Herzfehler (Verhältnis 1 : 10) der entsprechenden Geburtsjahrgänge (n = 219.816).
  • Analyse auf die Malignomhäufigkeit bis zum Jahr 2011 unter Berücksichtigung der Art der Herzfehler

Hauptergebnisse

Die CHD-Kohorte war zum Zeitpunkt der Analyse durchschnittlich 26,6 Jahre alt und die Kontrollkohorte 28,5 Jahre. 2,0 Prozent der Teilnehmer in der CHD-Kohorte hatte ein Malignom entwickelt und 0,9 Prozent in der Kontrollkohorte (Hazard Ratio [HR] für Malignom bei CHD: 2,24; p Bei konotrunkalen Defekten, also Herzfehlern im Bereich des rechten oder linken Ausflusstraktes und der großen Arterien, war das Malignomrisiko am stärksten erhöht (HR: 2,29; p

Malignome waren in beiden Geschlechtern vergleichbar häufig. In den Geburtsjahrgängen 1990-93 lag die HR bei 3,37, in den Geburtsjahrgängen 1980-89 bei 2,21 und bei den zwischen 1970 und 1979 G eborenen bei 2,01. Alle Risikoerhöhungen waren statistisch hoch signifikant.

Klinische Bedeutung
Durch Fortschritte in Diagnostik und Therapie erreichen circa 80 Prozent der mit einer Herz- oder Gefäßanomalie geborenen Kinder das Erwachsenenalter, ein Trend, der sich Schätzungen zufolge weiter fortsetzen wird (1) . Der Erhalt der Lebensqualität im Erwachsenenalter gewinnt damit zusätzlich zum Überleben an Bedeutung. Als eine der wahrscheinlichen Ursachen für die erhöhte Rate an Krebserkrankungen bei Menschen mit CHD wird die Exposition gegenüber niedrig dosierter ionisierender Strahlung bei CT, Herzkathetisierung und nuklearmedizinischen Untersuchungen genannt. Für diese Hypothese spreche die Varianz bei den verschiedenen Geburtsjahrgängen. Vor allem bei jungen Menschen sollte wenn möglich eine Diagnostik ohne Strahlenbelastung, also MRT oder Ultraschall, angewendet werden. G enetische Ursachen könnten ebenfalls relevant sein. Bei Patienten mit CHD seien eventuell häufigere und frühere Krebsvorsorgeuntersuchungen nötig, so die Autoren.

Finanzierung: öffentliche Mittel