Beeinträchtigt das Timing des ART-Beginns die Abnahmerate der Lungenfunktion bei HIV-positiven Personen?


  • The Lancet Pneumology
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Hintergrund

Beobachtungsdaten widersprechen sich in Bezug auf die potentielle Aufgabe von antiretroviraler HIV-Therapie (ART) als ein ursächlicher Faktor für oder schützender Faktor vor COPD. Unser Ziel war es daher, die Auswirkung von unmittelbarer vs. verzögerter ART auf die Abnahme der Lungenfunktion bei HIV-positiven Personen zu untersuchen.

Methoden

Wir führten eine geschachtelte Substudie in der randomisierten, kontrollierten Strategic-Timing-of-Antiretroviral-Treatment(START)-Prüfung an 80 Zentren in verschiedenen Bereichen in 20 Ländern mit starkem und mit schwachem bis mittlerem Einkommen durch. Teilnehmer waren HIV-1-infizierte Personen im Alter von mindestens 25 Jahren, die noch nicht mit ART behandelt wurden, mit CD4-T-Zellzahlen von mehr als 500 pro μl, die nicht wegen Asthma behandelt werden und keine kürzlichen Atemwegsinfektionen hatten (COPD bei Behandlungsbeginn war kein Ausschlusskriterium). Die Teilnehmer wurden zufällig zugeordnet, um ART (eine zugelassene Arzneimittelkombination, die aus den Leitlinien des US Department of Health and Human Services stammt) entweder unmittelbar oder verzögert zu erhalten, bis die CD4-T-Zellzahl auf 350 pro μl gesunken war oder sich AIDS entwickelte. Die Randomisierung wurde durch die Teilnahme an der START-Hauptstudie bestimmt und war nicht spezifisch für die Substudie. Durch die Art unserer Studie waren Prüfärzte und Teilnehmer gegenüber der Zuordnung zu einer Behandlungsgruppe nicht verblindet. Die Gutachter, die die Ergebnisse überprüften, waren jedoch gegenüber der Behandlungsgruppe verblindet. Das wichtigste Ergebnis war die jährliche Abnahmerate der Lungenfunktion, ausgedrückt als die FEV1-Steigung in ml/Jahr. Spirometrie wurde jährlich während der Nachbeobachtung bis zu 5 Jahre lang durchgeführt. Wir analysierten Daten auf einer Intention-to-Treat-Basis und planten getrennte Analysen bei Rauchern und Nichtrauchern wegen der bekannten Auswirkungen von Rauchen auf die FEV1-Abnahme. Diese Substudie wurde bei ClinicalTrials.gov mit der Nummer NCT01797367 registriert.

Ergebnisse

Zwischen dem 11. März 2010 und dem 23. Aug. 2013 schlossen wir 1.026 Teilnehmer in unsere Substudie ein, die dann zufällig entweder unmittelbarer (n = 518) oder verzögerter (n = 508) ART zugeordnet wurden. Die mittleren Eigenschaften bei Behandlungsbeginn umfassten das Alter von 36 Jahren (IQR: 30–44), CD4-T-Zellzahl 648 pro μl (583–767) und virale HIV-Last im Plasma von 4,2 log10 Kopien pro ml (3,5–4,7). 29 % waren Frauen und 28 % waren gegenwärtige Raucher. Die Zeit der Nachbeobachtung betrug durchschnittlich 2,0 Jahre (IQR: 1,9–3,0). Wir stellten keinen Unterschied bei den FEV1-Steigungen zwischen den unmittelbaren und verzögerten ART-Gruppen fest, weder bei Rauchern (Unterschied von –3,3 ml/Jahr, 95 %-KI: –38,8 bis 32,2; p = 0,86) noch bei Nichtrauchern (Unterschied von –5,6 ml/Jahr, –29,4 bis 18,3; p = 0,65) oder bei gepoolten Analysen, die um den Raucherstatus bei jedem Studienbesuch bereinigt waren (Unterschied von –5,2 ml/Jahr, –25,1 bis 14,6; p = 0,61).

Interpretation

Das Timing des ART-Beginns hatte keine größere kurzfristige Auswirkung auf die Abnahmerate der Lungenfunktion bei HIV-positiven Personen, die erstmals ART erhielten, mit einer CD4-T-Zellzahl von über 500 pro μl. In Anbetracht der aktualisierten WHO-Empfehlungen, dass alle HIV-positiven Personen unabhängig von deren CD4-T-Zellzahl mit ART behandelt werden sollten, weisen unsere Resultate auf das Nichtvorhandensein eines signifikanten Lungenschadens mit so einem Ansatz hin.

Finanzierung

US National Heart Lung and Blood Institute, US National Institute of Allergy and Infectious Diseases, Division of AIDS, Agence Nationale de Recherches sur le SIDA et les Hipatites Virales (Frankreich), Australian National Health and Medical Research Council, Danish National Research Foundation, European AIDS Treatment Network, Deutsches Bundesministerium für Bildung und Forschung, UK Medical Research Council und National Institute for Health Research und US Veterans Health Administration Office of Research and Development.