Barmer will mehr Gruppentherapie

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Berlin (pag) – Neun Prozent der Patienten warten mehr als drei Monate auf eine Psychotherapie. Das hat die Barmer für ihren aktuellen Arztreport ermittelt. Dieser hat in diesem Jahr die Psychotherapie zum Schwerpunkt. Kassenchef Prof. Christoph Straub schlägt zur Vermeidung langer Wartezeiten deswegen mehr Gruppentherapien vor – auch aus ökonomischen Gründen?

„Nein“, beantwortet Straub diese Frage auf einer Pressekonferenz. „Es ist keine Forderung, die wir stellen, weil es Geld bringen würde für die Kasse.“

Straub ist sich auch bewusst, dass die Gruppentherapien kein Allheilmittel sind, dennoch gebe es Vorteile: „Die Betroffenen registrieren, dass sie mit ihren Problemen nicht alleine sind.“ Bei Gruppentherapien handele es sich häufig um Stressmanagement oder Entspannungsübungen, ergänzt Dr. Ursula Marschall, leitende Medizinerin bei der Barmer. Laut Report sind 94 Prozent der Therapien immer noch Einzeltherapien. Der Zugang sei durch die Reform der Psychotherapie-Richtlinie 2017 aber verbessert worden, hält Straub fest. Der Bericht liefert dazu Zahlen: 2018 suchten rund 3,2 Millionen Menschen einen Psychotherapeuten auf, 41 Prozent mehr als 2009.

Allerdings zeigt sich ungefähr ein Drittel der Versicherten – zumindest teilweise – nicht zufrieden mit dem Ergebnis der Therapie. „Viele Patientinnen und Patienten wünschen sich eine konkrete Lösung für ihre Probleme. Eine Psychotherapie deckt aber eher Verhaltensmuster auf und gibt Denkanstöße zum eigenen Handeln“, sagt Straub.

Auch in der Psychotherapie herrscht laut Report in dünn besiedelten Gebieten eine Unterversorgung. Auf 21 Therapeuten kämen 100.000 Einwohner, in Städten ist das Verhältnis 69 zu 100.000. Prof. Joachim Szecsenyi, Mitautor des Reports, regt deswegen eine Landpsychotherapeutenquote an.

 

Den Barmer Arztreport 2020 finden Sie hier.