Bakteriämie mit resistenten E.coli: Übertragung durch fäkale Mikrobiom-Transplantation

  • New England Journal of Medicine

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften

US-Wissenschaftler beschreiben zwei Patienten, bei denen eine E. coli-Bakteriämie mit erweitertem Beta-Lactamase-Spektrum (ESBL) auftrat, nachdem sie sich in zwei getrennten klinischen Studien einer fäkalen Mikrobiom-Transplantation (FMT) unterzogen hatten. In beiden Fällen stammte der Stuhl von einem Spender. Einer der Patienten sei gestorben, berichten die Wissenschaftler um Dr. Zachariah DeFilipp (Massachusetts General Hospital) im „New England Journal of Medicine“.

FMT auch in der Tumortherapie auf dem Prüfstand

Die Transplantation von fäkalen Mikrobiota (FMT) ist eine noch relativ neue Therapie insbesondere für Patienten mit refraktärer Clostridioides difficile-Infektion. Erprobt wird das Verfahren zudem bei anderen Erkrankungen. Derzeit sind über 300 zur FMT bei verschiedenen Erkrankungen registriert, vor allem bei gastrointestinalen Erkrankungen, etwa Morbus Crohn und Colitis ulcerosa, aber auch bei neurologischen, psychischen und metabolischen Störungen. Von Interesse ist das Verfahren außerdem in der Onkologie, vor allem für Empfänger einer allogenen hämatopoetischen Zelltransplantation.

Die FMT ist mit seltenen entzündlichen, infektiösen und verfahrensbedingten Komplikationen verbunden. In placebo-kontrollierten Studien wurden keine schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse oder Erregerübertragungen berichtet; eine systematische Überprüfung von FMT ergab ähnliche Raten unerwünschter Ereignisse (infektiöse Ereignisse eingeschlossen) bei immungeschwächten und immunkompetenten Empfängern.

Risikofaktoren: Leberzirrhose und Stammzelltransplantation

Beide Patienten, deren Krankheitsgeschichten die Autoren in ihrem Beitrag beschreiben, hatten Risikofaktoren für eine Bakteriämie, der eine Patient hatte eine fortgeschrittene Leberzirrhose, bei dem anderen Patienten war gerade wegen eines myelodysplastischen Syndroms eine allogene hämatopoetische Zelltransplantation vorgenommen worden. Beide Patienten erhielten in zeitlicher Nähe zur FMT auch orale Antibiotika (Rifaximin und Cefpodoxim). Die Wissenschaftler vermuten daher, dass der Zeitpunkt dieser Antibiotika-Behandlung hinsichtlich Auswahl und Aufrechterhaltung der arzneimittelresistenten Erreger wichtig gewesen sein könnte.

Kein ESBL-Screening vor der Spende

Der Stuhlspender hatte keine Risikofaktoren für die Weitergabe multiresistenter Organismen und Stuhlmaterial gespendet, bevor Routinetests für ESBL-produzierende Organismen in das Spender-Screening-Protokoll aufgenommen wurden. Da die gefrorenen Kapseln aller von diesem Spender stammenden Präparate beim ESBL-Screening positiv waren, wäre dieses Spendermaterial wahrscheinlich disqualifiziert worden, wenn es vor der Spende gescreent worden wäre. 

Die Wissenschaftler haben die Komplikationen unverzüglich der FDA und den Aufsichtsbehörden gemeldet. Die Studien sind abgebrochen worden; die FDA hat eine nationale Warnmeldung auf ihrer Website veröffentlicht und ein zusätzliches Screening für diejenigen angeordnet, die FMT-Untersuchungen unter Aufsicht der FDA durchführen.