Autoimmunerkrankungen: kein erhöhtes Risiko für Tuberkulosereaktivierung durch Secukinumab

  • JAMA Dermatol; RKI

  • von Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Der Anti-IL-17-Antikörper Secukinumab, indiziert bei Psoriasis, Psoriasis-Arthritis oder ankylosierender Spondylitis, erhöht nicht das Risiko für die Reaktivierung einer latenten Tuberkulose (Tbc). Das ist das Ergebnis einer qualitativen Analyse von 28 klinischen Studien mit dem Biologikum und es ist nach Meinung der Autoren eine für Ärzte und Patienten wichtige Information. Denn von bestimmten, bei diesen Erkrankungen indizierten Medikamenten wie Methotrexat, Ciclosporin oder TNF-α-Inhibitoren ist ein erhöhtes TbC-Reaktivierungsrisiko bekannt.

Hintergrund
Nur circa 5 Prozent der Menschen, die sich mit Mycobacterium tuberculosis infiziert haben, entwickeln eine behandlungsbedürftige Tuberkulose. Bei den meisten wird der Erreger vom Immunsystem in Schach gehalten. Die Tuberkelbakterien persistieren dann in fibrosierten Granulomen (latente Tuberkulose [LTBI]). Die Infizierten sind weder krank, noch infektiös, die Erreger können aber durch eine Immunsuppression oder durch immunmodulierende Arzneimittel reaktiviert werden, zum Beispiel Methotrexat, Ciclosporin oder TNF-α-Inhibitoren. Fragestellung einer qualitativen Analyse klinischer  Studien, in denen Secukinumab bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen angewendet wurde, war das Risiko einer Tuberkulosreaktivierung durch den Anti-IL-17-Antikörper (1).

Design

  • qualitative Analyse von 28 randomisierten Phase-3- oder Phase-4-Untersuchungen mit Secukinumab in den Indikationen
    • Plaque-Psoriasis (19 Studien)
    • Psoriasis-Arthritis (5 Studien)
    • oder ankylosierende Spondylitis (4 Studien)
  • Screening auf aktive Tuberkulose (Ausschlusskriterium) oder latente Tuberkulose vor der Randomisierung
  • Studienteilnehmerzahl insgesamt 12.319 Patienten
  • Studienzeitraum: bis Dezember 2018

Hauptergebnisse

  • 684 Studienteilnehmer (5,6 %) hatten ein latente Tuberkulose bei der Screeninguntersuchung. Im Analysezeitraum von 5 Jahren gab es bei 13 Patienten eine Reaktivierung einer LTBI, für die eine Assoziation mit Secukinumab vermutet wurde.
  • Bei 6 Patienten hatte bereits die Screeninguntersuchung einen positiven LTBI-Befund ergeben, bei 7 Patienten war die LTBI-Diagnose neu.
  • Keiner der 13 Patienten hatte eine infektiöse, offene Tuberkulose.

Klinische Bedeutung

Das Risiko für die Reaktivierung einer Tuberkulose, die durch eine Secukinumab-Therapie ausgelöst wird, beträgt 0,1 % (13/12.319) bei einer 5-jährigen Therapie. Das Risiko wird damit als sehr gering bewertet.

Selbstverständlich ist Secukinumab bei Patienten mit klinisch relevanten, aktiven Infektionen wie einer aktiven Tuberkulose kontraindiziert.

Die Inzidenz der Tuberkulose ist in den vergangenen Jahren in Deutschland gesunken. Dennoch hat das Robert Koch-Institut 2019 immerhin 4.791 laborbestätigte Fälle registriert (2).

Finanzierung: Novartis