Autismus-Risiko bei DDT-Exposition während der Schwangerschaft erhöht


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaft

Schwangere mit hohen Blutwerten des Pestizides DDT haben vermutlich ein erhöhtes Risiko dafür, ein Kind zu gebären, das autistisch und intellektuell eingeschränkt wird.

Hintergrund

Die WHO schätzt, dass etwa ein Kind von 160 Kindern autistisch ist. Es wird angenommen, dass die Erkrankung Folge eines komplexen Zusammenspiels von Genen und Umweltfaktoren ist. Ein solcher Umweltfaktor könnte das Insektizid DDT (Dichlordiphenyltrichlorethan) sein, das in den meisten westlichen Industriestaaten seit den 1970-er Jahren verboten ist (in Deutschland sind Herstellung und Vertrieb seit 1977 verboten). DDT wird allerdings teilweise noch zur Malaria-Bekämpfung verwendet und akkumuliert außerdem in Pflanzen und Tieren. Wissenschaftler haben nun die Exposition von Frauen während der Schwangerschaft gegenüber mehreren Chemikalien, darunter DDT sowie polychlorierte Biphenyle (PCB), und die Autismus-Rate ihrer Kinder untersucht.

Design

Ausgewertet wurden Daten einer finnischen Kohortenstudie („The Finnish Prenatal Study of Autism“). Für eine statistische Analyse verglichen die Autoren 778 zwischen 1987 und 2005 geborene Autismus-Patienten mit 778 entsprechenden Personen ohne Autismus. Zudem wurden die gesammelten Schwangerschafts-Blutproben ihrer Mütter auf Toxine wie DDT und PCB analysiert.

Hauptergebnisse

Die Analysen ergaben keine Korrelation zwischen Autismus und PCB-Spiegel.

EIne Korrelation mit Autismus wurde hingegen für hohe DDT-Werte (oberstes Quartil) festgestellt. Die Risikozunahme betrug 32 Prozent bei hohen im Vergleich zu geringen Werten (unterstes Quartil).

Zudem ergaben die Berechnungen eine doppelte so hohe Wahrscheinlichkeit für Autismus und beeinträchtigten Intellekt bei hohen DDT-Werten im Vergleich zu geringen Werten.

Klinische Bedeutung

Die Studie bestätigt, dass es eine gute Entscheidung war, das Insektizid DDT zu verbieten. Dabei ist allerdings zu beachten, dass aus der Kohortenstudie kein Kausalzusammenhang zwischen dem Insektizid und der Erkrankung abgeleitet werden kann. Die Studie liefert nur einen Hinweis. Unklar ist, wie DDT die Autismus-Entwicklung triggern könnte. Ein Erklärungsversuch lautet, dass DDT an Androgen-Rezeptoren bindet, was Tierversuchen zufolge die Hirnentwicklung beeinträchtigen kann. Allerdings sind hier noch weitere Untersuchungen notwendig; sie könnten auch dazu beitragen, Ätiologie und Pathogenese der Erkrankung weiter aufzuklären.

Kanadische Wissenschaftler zum Beispiel untersuchen derzeit in Südafrika, ob es einen Zusammenhang zwischen DDT und den intellektuellen Fähigkeiten von Kindern ohne Autismus gibt.

Fähigkeiten: National Institute of Environmental Health Sciences