Aufwärtstrend chronischer Hepatitis-B-Infektionen hält an

  • European Center for Disease Prevention and Control (ECDC)

  • von Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Bei mehr als der Hälfte aller in der Europäischen Union neu gemeldeten Infektionen mit dem Hepatitis-B-Virus (HBV) handelt es sich um eine chronische Infektion. Dies teilte das European Center for Disease Prevention and Control (ECDC) jüngst in einem Bericht mit. Damit folgen die aktuellen Zahlen dem kontinuierlichen Aufwärtstrend chronischer HBV-Infektionen seit 2008.

Rückgang akuter Hepatitis-B-Infektionen dank nationaler Impfprogramme

Laut der neuen Überwachungsdaten meldeten im Jahr 2017 30 Länder der EU und des Europäischen Wirtschaftsraums 26.907 Fälle von HBV-Infektionen, was 6,7 Fällen pro 100.000 Einwohnern entspricht. Davon wurden 9 Prozent als akut, 58 Prozent als chronisch, 32 Prozent als unbekannt und 1 Prozent als nicht klassifizierbar eingestuft, so der Bericht der europäischen Behörde.

Die Mehrheit der Länder berichtete über einen kontinuierlichen Rückgang der neu gemeldeten akuten Hepatitis-B-Infektionen von 1,1 pro 100.000 Einwohner im Jahr 2008 auf 0,6 im Jahr 2017. Dies spiegelt laut ECDC-Bericht den globalen Trend wider und „ist höchstwahrscheinlich das Ergebnis erfolgreicher nationaler Impfprogramme“. In diesen Ländern sank der Anteil der akuten Hepatitis-B-Infektionen bei Menschen unter 25 Jahren von 20 Prozent im Jahr 2008 auf 12 Prozent im Jahr 2017.

Indessen stieg nach Angaben der Seuchenbehörde im gleichen Zeitraum die Zahl der gemeldeten chronischen Hepatitis-B-Fälle von 6,7 pro 100.000 Einwohner auf 10,2 im Jahr 2017, wobei die höchste Inzidenz unter den 25- bis 34-Jährigen gemeldet wurde. Insgesamt, so der Bericht, scheint die Zahl der neu diagnostizierten Fälle chronischer Hepatitis B die Intensität der lokalen Test- und Screening-Maßnahmen widerzuspiegeln. Länder etwa aus Nordeuropa mit umfassenden Testprogrammen wiesen demnach die höchsten Melderaten auf und hatten einen starken Einfluss auf den Aufwärtstrend.

Häufigste Übertragung durch Sex

Bei den akuten Fällen, die vollständig dokumentiert wurden, war der häufigste Übertragungsweg ein heterosexueller Kontakt (27 Prozent), gefolgt von nosokomialen Infektionen (16 Prozent) und Übertragungen zwischen Männern, die Sex mit Männern haben (13 Prozent). Unter den chronischen Fällen wurden die Mutter-Kind-Übertragung und die nosokomiale Übertragung als häufigste Übertragungswege (41% bzw. 28%) dokumentiert.

Auf Grund der relativ hohen Zahl von 26.907 gemeldeten Hepatitis-B-Infektionen im Jahr 2017 mit einem großen Anteil chronischer Fälle in ganz Europa fordert der ECDC, dass lokale Hepatitis-Präventions- und Kontrollprogramme unbedingt aufrechterhalten und verstärkt werden müssen.