Auch spätes Training nach einem Schlaganfall könnte die Kognition verbessern

  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

In einer 3-armigen Studie mit 120 Teilnehmern wurde der Effekt verschiedener Trainingsformen auf die Kognition fünf Jahre nach einem Schlaganfall gemessen. Dabei wurde lediglich mit körperlichen Übungen ein (temporärer) Effekt erzielt, nicht aber durch „soziale Bereicherung“.

Hintergrund

Das Risiko, an einer Demenz zu erkranken, ist bei Patienten, die einen Schlaganfall erlitten haben, im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung annähernd verdoppelt. Unklar ist, welche Interventionen geeignet sind, um die kognitiven Funktionen in dieser Patienten-Population zu verbessern.

Design

Einfach verblindete, randomisierte Studie mit 3 Armen mit 120 Teilnehmern (Durchschnittsalter 70 Jahre; 62 % männlich) in einem Forschungszentrum in Vancouver, Kanada. Sie hatten durchschnittlich 66 Monate vor Studienbeginn einen Schlaganfall erlitten und im Mittel einen ADAS-Cog-Plus-Wert von 0,22. Die Probanden erhielten für jeweils 6 Monate entweder ein Programm mit verschiedenen körperlichen Übungen (EX), ein Programm zur Bereicherung der kognitiven und sozialen Aktivitäten (ENRICH), oder – als Kontrollgruppe – ein Programm mit Dehnungs- und Balanceübungen niedriger Intensität (BAT). 24 Teilnehmer beendeten die Studie vor Ende der 6-monatigen Nachverfolgungszeit, die Analyse bezieht sich aber auf die Gesamtzahl.

Ergebnisse

  • Unter dem Übungsprogramm EX verbesserte sich der ADAS-Cog-Plus gegenüber BAT um durchschnittlich – 0,24, was bei einem 95%-Konfidenzintervall von – 0,43 bis – 0,04 statistisch signifikant war (P = 0,02). Allerdings persistierte dieser Unterschied zum Ende des Follow-Ups nicht mehr: - 0,08; - 0,29 bis 0,12; P = 0,43.
  • Ebenfalls unter den körperlichen Übungen verbesserte sich der ADAS-Cog während der halbjährigen Intervention um 5,65 Punkte (95%-KI 2,74 – 8,57). Der Unterschied war nicht nur statistisch signifikant (P < 0,001), sondern überschritt auch die deutlich die Schwelle zum klinischen Nutzen von drei Punkten.
  • Für die Förderung der sozialen Aktivität (ENRICH) war kein Vorteil gegenüber der Kontrollgruppe zu erkennen, weder während der Intervention noch im Follow-Up.

Klinische Bedeutung

Eine unizentrische Studie mit relativ kleiner Teilnehmerzahl bestätigt den temporären Nutzen eines physischen Trainingsprogramm für die Kognition von Schlaganfallpatienten, und überrascht mit dem Befund, dass die Förderung sozialer Aktivitäten keinen Effekt hatte. Beachtenswert ist dabei, dass die Interventionen durchschnittlich erst 5 Jahre nach dem Schlaganfall erfolgten.

Finanzierung: Canadian Institutes of Health Research (MOP-126130) und Jack Brown and Family Alzheimer Research Foundation Society.