Auch Profi-Fußballspielerinnen haben eine erhöhtes Gonarthrose-Risiko


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften

Profi-Fußballspielerinnen verdienen zwar deutlich weniger gut als ihre männlichen Pendants. Aber „Gleichberechtigung“ herrscht offenbar bei den gesundheitlichen Langzeitschäden des Kickens: So sind auch ehemalige Profi-Fußballspielerinnen überdurchschnittlich häufig von einer Kniegelenksarthrose betroffen. Festgestellt hat dies ein Team um Dr. Philippe M. Tscholl vom Universitätsklinikum Genf in einer kleinen Studie. Die Ergebnisse sollen in wenigen Tagen beim Kongress der Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin in Salzburg vorgestellt werden. 

Studie mit 49 Ex-Spielerinnen

Anlass für die Untersuchung: Anders als bei Männern seien Daten aus dem Frauenfussball zur Häufigkeit von Gonarthrosen bislang nicht bekannt, so Philippe Tscholl. Untersucht haben er und seine Kollegen 49 ehemalige professionelle Fußballspierinnen mit einer mittleren Karrieredauer von 10 ± 5 Jahren, welche ihre Karriere vor rund 9,5 Jahren beendet hatten. Anhand eines semi-quantitativen Fragebogens wurden alle Fußballverletzungen am Knie festgehalten. Die aktuellen Beschwerden wurden zudem anhand des KOOS Fragebogens analysiert. Meniskus- und Knorpelstatus wurden kernspintomographisch geklärt.

Weniger als die Hälfte asymptomatisch

Nach Angaben von Tscholl und seinen Kollegen waren 60 Prozent aller Knie zumindest einmal verletzt; fast jedes zweite Knie sei mindestens einmal operiert worden (n = 47). Eine vordere Kreuzbandrekonstruktion (VKB-R) sei bei 37 Prozent aller Spielerinnen durchgeführt worden, bei 25 Prozent sogar beidseitig. Nicht einmal die Hälfte aller Spielerinnen seien dem  KOOS-Fragebogen zufolge asymptomatisch; nur 22% der Knie hätten keine Grad III Knorpelläsion gezeigt. 

Risikfoaktor Teilmeniskektomie 

Eine partielle Meniskusresektion in jungem Alter vor 20 Jahren habe das Risiko von Knorpeldefekten verdoppelt, im Gegensatz zu einer isolierten VKB-R. Der KOOS Score war durch eine VKB-R unbeeinflusst im Gegensatz zu einer Teilmeniskektomie. Eine Teilmeniskektomie sei, so eine Schlussfolgerung der Autoren, ein größerer Risikofaktor für eine Gonarthrose als eine VKB-R. 

Eine partielle Meniskektomie bei degenerativen Meniskusschäden sei stark mit der Inzidenz einer Arthrose und einem höheren Risiko ihrer Progression verbunden, bestätigt auch Professor Henning Madry (Zentrum für Experimentelle Orthopädie,Universität des Saarlandes) in einem Beitrag zu Meniskusläsionen. Besonders im lateralen Kompartiment seien die klinischen Ergebnisse nach Teilresektion des Außenmeniskus problematisch.

Auch O-Beine?

Da es sich bei der Studie von Tscholl und seinen Kollegen um eine Querschnittsstudie handelt, ist unklar, ob Fussballspielerinnen ebenso wie Männer ein langfristig erhöhtes Risiko für die Entwicklung von O-Beinen haben, wenn sie sie bereits im Wachstumsalter sehr intensiv kicken. An einer Studie, in der dieser Zusammenhang gezeigt wurde, nahmen nur männliche Kicker teil .

Finanzierung: keine Angaben