Auch ohne PTSD steigt offenbar unter Stress das Risiko für neurodegenerative Erkrankungen

  • JAMA Neurology

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Eine bevölkerungsweite Fall-Kontroll-Kohortenstudie aus Schweden findet ein erhöhtes Risiko für – insbesondere neurovaskuläre – neurodegenerative Erkrankungen bei Personen, die mit einer Stress-verwandten Krankheit diagnostiziert wurden.

Hintergrund

Eine Assoziation zwischen Demenzerkrankungen und einer Posttraumatischen Belastungsstörung wurde nachgewiesen. Ob auch andere „Stress-Erkrankungen“ mit dem Risiko neurodegenerativer Erkrankungen assoziiert sind, ist dagegen wenig erforscht.

Design

Bevölkerungsweite Fall-Kontroll-Kohortenstudie unter Einbeziehung von Geschwisterpaaren anhand schwedischer Gesundheitsregister. Verglichen wurden 61.748 Individuen über 40 Jahren, die zwischen 1987 und 2008 erstmals mit einer Stress-verwandten Krankheiten diagnostiziert worden waren (Codes 308 und 309 nach ICD-9 (psychogene Reaktion) bzw. F43 nach ICD-10 (Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen)), aber keine Vorgeschichte neurodegenerativer Erkrankungen hatten, mit 595.335 nicht betroffenen Personen aus der Allgemeinbevölkerung und mit 78.482 nicht betroffenen Geschwistern.

Ergebnisse

  • Die Nachverfolgung begann median im Alter von 47 Jahren und dauerte median 4,7 Jahre; 60,6 % der Patienten waren weiblich.
  • Unter Stress-exponierten Individuen war das Risiko für eine neurodegenerative Erkrankung um 57 % höher als für die Allgemeinbevölkerung (Chancenverhältnis HR 1,57; 95%-Konfidenzintervall 1,43 – 1,73). Untergliedert nach Art der neurogenerativen Erkrankung ergaben sich folgende Chancenverhältnisse:
    • vaskuläre neurodegenerative Erkrankungen HR 1,80 (95%-KI 1,40 – 2,31)
    • primär neurodegenerative Erkrankungen HR 1,31 (95%-KI 1,15 – 1,48)
    • Alzheimer´sche Krankheit HR 1,36 (95%-KI 1,12 – 1,67)
    • Parkinson´sche Krankheit HR 1,20 (95%-KI 0,98 – 1,47 und daher nicht signifikant)
    • Amyotrophe Lateralsklerose HR 1,20 (95%-KI 0,74 – 1,96, ebenfalls nicht signifikant)
  • Der Vergleich mit den Geschwistern bestätigte die Ergebnisse aus dem Vergleich mit der Gesamtbevölkerung.

Bedeutung

Die Studie deutet darauf hin, dass nicht nur die Posttraumatische Belastungsstörung mit einem erhöhten Risiko neurodegenerativer Erkrankungen einhergeht, sondern auch mit mutmaßlich weniger starke Stressoren. Dass die Assoziation mit vaskulären neurodegenerativen Erkrankungen am stärksten ausgeprägt ist, spricht nach Ansicht der Forscher für einen zerebrovaskulären Mechanismus.

Finanzierung: Schwedischer Forschungsrat (Vetenskapsrådet), Isländischer Forschungs-Fond, Karolinska-Institut, Swedish Initiative for Research on Microdata in the Social and Medical Sciences framework und West China Hospital, Sichuan University.