Auch Dulaglutid beugt kardiovaskulären Ereignissen vor

  • The Lancet

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Der GL-P-1-Rezeptoragonist Dulaglutid verhinderte bei Typ-2-Diabetikern kardiovaskuläre Ereignisse und bremste die Progression einer Nierenfunktionsstörung.

Hintergrund

Seit über zehn Jahren wird von Arzneimittelzulassungsbehörden bei neuen Antidiabetika der Nachweis der kardiovaskulären Sicherheit verlangt. Inzwischen liegen für mehrere unterschiedliche Wirkstoffe so genannte kardiovaskuläre Outcome-Studien vor, die zeigen, dass moderne Antidiabetika wie die Gliflozine und die  GLP-1-Agonisten sogar vor kardiovaskulären Ereignissen schützen können. Nun sind auch die entsprechenden Studien-Daten zu Dulaglutid veröffentlicht worden. 

Design

An der randomisierten und kontrollierten Multizenterstudie nahmen fast 10.000 Patienten mit Typ-2-Diabetes teil; sie waren im Mittel 66 Jahre alt. Rund 46 Prozent waren Frauen. Ihr HbA1c-Wert lag zu Beginn der Studie bei 7,2 Prozent. Nur rund ein Drittel der Teilnehmer hatte eine positive Anamnese für eine kardiovaskuläre Erkrankung. Zu Beginn der Studie hatten 7,9 Prozent der Teilnehmer eine Makroalbuminurie, die mittlere eGFR betrug 76,9 ml/l pro 1,73 m 2 . 81 Prozent wurden mit Metformin behandelt, 46 Prozent bekamen Sulfonylharnstoff-Präparate und fast ein Viertel Insulin. Über 80 Prozent wurden mit ACE-Hemmern oder Sartanen behandelt, zwei Drittel mit Statinen. 

4949 Patienten erhielten nach der Randomisierung Dulaglutid (einmal wöchentlich 1,5 mg subkutan), 4952 bekamen Placebo. Die Beobachtungsdauer betrug mediane 5,4 Jahre. Primärer kardiovaskulärer Endpunkt war die Kombination von Herzinfarkt, Schlaganfall und/oder kardiovaskulärem Tod. Der pimäre renale Endpunkt bestand aus den Parametern erstmalige Makroalbuminurie, Abnahme der GFR um mehr als 30 Prozent und notwendige Nierenersatztherapie. Hierzu wurde eine exploratorische Analyse vorgenommen.

Hauptergebnisse 

  • Zu einem primären Endpunkt-Ereignis kam es in der Dulaglutid-Gruppe bei 12,0 Prozent der Patienten (594/4949), in der Placebo-Gruppe bei 13,4 Prozent (663/4952). Die Inzidenzraten pro 100-Personenjahre betrugen 2,4  in der Dulaglutid-Gruppe und 2,7 in der Placebo-Gruppe. Die Berechnungen ergaben eine statistisch signifikante HR (Hazard Ratio) von 0,88 (95% CI 0,79–0,99; p=0,026).
  • Beim Parameter Gesamtmortalität gab es keinen signifikanten Unterschied (10,8 Prozent in der Verum-Gruppe versus 12,0 in der Placebo-Gruppe; Inzidenzraten 2,06 versus 2,29, HR 0,90 (95% CI 0,80–1,01; p=0,067).
  • Auch beim kombinierten primären renalen Endpunkt schnitten die Patienten mit dem GLP-1-Agonisten signifikant besser ab (17,1 versus 19,6 Prozent). Die Inzidenzraten pro 100 Personenjahre betrugen 3,5 und 4,1 (HR 0,85). Zustande kam dieses positive Resultat durch das signifikante Ergebnis zur Makroalbuminurie (HR 0,77); bei den beiden anderen Endpunkt-Parametern ergaben die Berechnungen kein signifikantes Resultat. 
  • Gastrointestinale Nebenwirkungen waren bei Patienten mit dem GL-P-1-Agonisten häufiger (47 versus 34 Prozent).

 

Klinische Bedeutung

Die Studie liefert Belege zum klinischen Nutzen des GL-P-1-Agonisten, die seit wenigen Jahren von neuen Antidiabetika erwartet werden. Bemerkenswert sind die lange Beobachtungszeit und die Tatsache, dass die meisten Teilnehmer ein vergleichsweise niedriges kardiovaskuläres Risiko hatten, was den Nachweis eines Nutzens erschwert. Die Ergebnisse sprechen insgesamt dafür, dass die Therapie mit dem Wirkstoff sicher und wirksam ist. Dulaglutid ist damit ein weiterer antidiabetischer Wirkstoff, für den dies gezeigt worden ist. Diese Daten und die anderer Studien mit anderen Antidiabetika lassen schlussfolgern, dass GL-P-1-Agonisten vor allem vor atherosklerotischen Komplikationen schützen und Gliptine in erster Linie vor einer Herzinsuffizienz. 

Finanzierung: Eli Lilly