Auch die Verfünffachung der Steroiddosis verhindert kindliche Asthma-Anfälle nicht


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Bei Kindern mit leichtem bis mittelschwerem persistierendem Asthma, die täglich Glukortikoide inhalieren und die Anzeichen für den Verlust der Krankheitskontrolle zeigen, kann die Rate an Exazerbationen nicht eindeutig gesenkt werden, indem man die Dosis vorübergehend verfünffacht. Das Längenwachstum dieser Kinder war leicht verringert, die Differenz jedoch nicht signifikant.

Hauptergebnisse

  • Die jährliche Rate schwerer Asthma-Exazerbationen, die mit systemischen Glukokortikoiden behandelt werden mussten, betrug 0,48, wenn die Erhaltungsdosis bei Anzeichen für einen Verlust der Krankheitskontrolle beibehalten wurde. Wurde stattdessen die Dosis der inhalativen Glukokortikoide verfünffacht, lag die jährliche Rate an Exazerbation bei 0,37. Bei einem Quotenverhältnis von 1,3 und einem 95%-Konfidenzintervall von 0,8 bis 2,1 war dieser Unterschied nicht signifikant (P=0,30).
  • Auch bei der Zeit bis zur ersten Exazerbation, der Rate von Behandlungsversagen, dem Symptom-Score und dem Gebrauch von Albuterol während der Phase des drohenden Kontrollverlustes („Yellow zone“) gab es zwischen den beiden Gruppen keine signifikanten Unterschiede.
  • Das Längenwachstum der Kinder, bei denen die Glukokortikoiddosis eskaliert wurde, war durchschnittlich 0,23 Zentimeter / Jahr geringer als in der Kontrollgruppe. Mit einem P-Wert von 0,06 war dieser Unterschied jedoch ebenfalls nicht signifikant

Design

  • 254 Kinder im Alter zwischen 5 und 11 Jahren mit leichtem bis mittelschwerem Asthma, die im Vorjahr mindestens eine Exazerbation erlitten hatten und mit systemischen Glukokortikoiden behandelt worden waren, nahmen an dieser randomisierten und verblindeten Studie teil.
  • Alle Kinder erhielten eine Erhaltungsdosis inhalativer Glukokortikoide (44 µg Fluticason zwei Mal täglich), jedoch wurde für die Interventionsgruppe bei Anzeichen für einen Verlust der Krankheitskontrolle die Dosis für eine Dauer von 7 Tagen verfünffacht.
  • Primäres Studienziel war die Rate an schweren Exazerbationen, die mit systemischen Glukokortikoiden behandelt werden musste.
  • Finanzierung: National Heart, Lung, and Blood Institute.

Klinische Bedeutung

Viele Asthma-Patienten erleiden trotz Medikation Exazerbationen, die lebensbedrohlich sein können. Da diese Phasen sich häufig durch eine Verschlechterung der Lungenfunktion und eine Zunahme der Symptome ankündigen („Yellow zone“), hatte man die kurzfristige Verfünffachung der inhalativen Glukokortikoid-Dosis erprobt. Diese ist nun ebenso gescheitert wie frühere Versuche mit einer Dosis-Verdoppelung und die zeitgleich publizierte Vervierfachung der Dosis im Rahmen des Selbstmanagements bei Jugendlichen und Erwachsenen. Dass bei den Kindern auch ein Trend zu verringertem Längenwachstum zu erkennen war, ist besorgniserregend. Womöglich ist der Mechanismus der Exazerbationen und ihrer Auslöser nicht hinreichend verstanden. Ob individualisierte Behandlungsstrategien für die verschiedenen Asthma-Phänotypen bessere Ergebnisse bringen, scheint eine wichtige Fragestellung für zukünftige Studien zu sein.