Auch bauliche Veränderungen können älteren Menschen helfen, ihre Selbstständigkeit zu erhalten


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Im Rahmen einer randomisierten klinischen Studie ist es gelungen, den Nutzen einer mehrdimensionalen Intervention bei gebrechlichen Senioren zu demonstrieren: Bei 10 Besuchen eines Teams aus Ergotherapeut, Krankenschwester und Handwerker besserte sich der Grad der Behinderungen bei der Ausführung täglicher Aufgaben um 30 %.

Hintergrund

Körperliche Beeinträchtigungen bei älteren Menschen sind häufig Vorboten gesundheitlicher Probleme, sowie der Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen und von erhöhten Kosten. Bisher gibt es aber nur wenige Interventionen, mit denen Behinderungen nachweislich verringert werden konnten. Dies wurde hier mit einem multidisziplinären Interventionsprogramm in häuslicher Umgebung versucht.

Design

Randomisierte klinische Studie mit 300 älteren und überwiegend weiblichen, zu Hause lebenden Menschen ab 65 Jahren in Baltimore. Sie hatten im Selbstbericht angegeben, bei mindestens einer grundlegenden Aktivität des täglichen Lebens (ADL) eingeschränkt zu sein, oder bei mindestens zwei instrumentellen Aktivitäten (IADL) wie Kochen, Einkaufen, Hausarbeiten oder Auto fahren. Die Probanden wurden vor der Intervention, unmittelbar danach, sowie nach 12 Monaten interviewt. Die Intervention bestand aus 10 Besuchen im Verlauf von 5 Monaten, bei denen Ergotherapeuten und Krankenschwestern gezielt die Senioren in ihren Bedürfnissen unterstützten, und „Home modifiers“ (also Handwerker) bei Bedarf kleine bauliche Veränderungen durchführten. Die Kontrollgruppe erhielt gleich viele Besuche von einem Forschungsassistenten, der mit den Senioren darüber sprach, welche Aktivitäten sie gerne lernen oder ausüben möchten.

Hauptergebnisse

  • In der Interventionsgruppe reduzierte sich der ADL-Behinderungswert binnen 5 Monaten um durchschnittlich 30 %. Dies entspricht einem relativen Risiko RR von 0,70 bei einem 95%-Konfidenzintervall von 0,54 – 0,93 (P=0,01) gegenüber der Kontrollgruppe.
  • Auch der Wert für die instrumentellen Aktivitäten besserte sich (um 17 %), jedoch war hier das RR von 0,83 bei einem 95%-KI von 0,65 – 1,06 mit einem P = 0,13 nicht signifikant verringert.
  • Drei Fragen nach der Wirksamkeit des Programmes wurden von der Interventionsgruppe annähernd doppelt so häufig mit „Ja“ beantwortet:
    • „Hat es Ihr Leben leichter gemacht?“ 82,3 % versus 43,1 %, P
    • „Hat es geholfen, sich um sich selbst zu kümmern?“ 79,8 % vs. 35,5 %, P
    • „Hat es das Vertrauen gestärkt, die täglichen Aufgaben zu meistern?“ 79,9 % vs. 37,7 %, P
  • Die Kosten der Intervention betrugen einschließlich einem gedeckelten Wert für Reparaturen $2825 je betreuter Person.

Klinische Bedeutung

Dass die Betreuungsmaßnahmen für bedürftige Personen im Rahmen einer kontrollierten klinischen Studie auf die Wirksamkeit überprüft werden, geschieht bisher nur selten. Innovativ ist auch die Bündelung von Ergotherapie, pflegerischer Unterstützung und auf die Bedürfnisse älterer Menschen abgestimmten kleinen baulichen Maßnahmen bzw. Reparaturen in dem CAPABLE benannten Programm.

Finanzierung: National Institutes of Health.