ASS zur Primärprävention: für alte Menschen nutzlos und schädlich


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Weitere Studien-Daten sprechen dagegen, dass gesunde alte Menschen regelmäßig niedrig-dosiertes ASS einnehmen. Beim primären kombinierten Endpunkt aus Gesamtmortalität, Demenz und bleibender körperlicher Behinderung schnitten Studienteilnehmer mit ASS nicht besser ab als Teilnehmer mit einem Scheinpräparat. Ein kardiovaskulärer Schutz durch ASS konnte auch nicht nachgewiesen werden. Außerdem: Unter ASS gab es signifikant mehr schwere Blutungen.

Hintergrund

Über den Nutzen der Primärprävention mit niedrig dosiertem ASS in der Herzkreislauf-Medizin wird seit Jahren diskutiert. Erst kürzlich ergab eine kontrollierte Studie, dass der Plättchenhemmer bei älteren Menschen nicht besser vor Herzgefäß-Krankheiten schützt als Placebo.  Nun sind Ergebnisse einer weiteren ASS-Primärpräventions-Studie erschienen. 

Design

In die randomisierte und kontrollierte Studie wurden von 2010 bis 2014 in Australien und in den USA mindestens 70-jährige Menschen (Afro- und Hispanoamerikaner ab 65) ohne kardiovaskuläre Erkrankung, Demenz und körperliche Einschränkungen aufgenommen. 19.114 Personen mit einem mittleren Alter von 74 Jahren (56,4 Prozent Frauen) nahmen teil. 9525 Teilnehmer erhielten ASS (100 mg täglich), die anderen 9589 Placebo. Primärer Endpunkt war die Kombination von Tod, Demenz und bleibender körperlicher Behinderung. Die Studie wurde nach im Mittel 4,7 Jahren vorzeitig beendet, da sich beim primären kombinierten Endpunkt kein Nutzen von ASS zeigte. 

Hauptergebnisse

Beim primären kombinierten Endpunkt gab es keinen signifikanten Unterschied zwischen der ASS- und der Placebo-Gruppe: Die Ereignisrate betrug unter ASS 21,5 pro 100 (Hazard Ratio:1,01; 95% CI: 0,92 - 1,11; P = 0,79). 

Auch bei den sekundären Einzel-Endpunkten gab es keine signifikanten Unterschiede:

  • Gesamtmortalität: 12,7 Todesfälle pro 1000 Patientenjahre in der ASS-Gruppe versus 11,1 in der Placebo-Gruppe
  • Demenz-Rate: 6,7 versus 6,9 Ereignisse pro 1000 Patientenjahre
  • Dauerhafte körperliche Behinderung: 4,9 versus 5,8 pro Patientenjahre

Keinen Beleg für einen Nutzen von ASS gab es auch bei der gesondert publizierten Primärprävention kardiovaskulärer Erkrankungen: So betrug die Häufigkeit kardiovaskulärer Erkrankungen pro 1000 Patientenjahre 10,7 in der ASS-Gruppe und 11,3 in der Placebo-Gruppe (Hazard Ratio: 0,95 CI: 0,83 - 1,08; nicht-signifikant).

Einen signifikanten Unterschied gab es hingegen bei der Rate schwerer Blutungen pro 1000 Patientenjahre: 8,6 Ereignisse unter ASS versus 6,2 unter Placebo (Hazard Ratio:1,38; 95% CI: 1,18 bis 1,62; P

Klinische Bedeutung

Die Studie liefert in Übereinstimmung mit anderen aktuellen Daten keine ausreichenden Argumente für eine kardiovaskuläre Primärprävention mit ASS bei alten Menschen. Außer dem unbelegten Nutzen spricht insbesondere die Blutungsrate dagegen. 

Finanzierung: National Institute on Aging und andere