ASS -Therapie nach Diagnose von Gallenblasen- und Gallengangskrebs korreliert mit längerem Überleben

  • JAMA Oncology

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaft

Die Einnahme niedrig dosierter Acetylsalicylsäure (ASS) ist bei allen Arten von Gallenwegs-Karzinomen und auch beim Gallenblasen-Karzinom mit einer deutlich höheren Überlebenswahrscheinlichkeit assoziiert, so das Ergebnis einer retrospektiven Datenbankanalyse.

Hintergrund

Karzinome der Gallenwege werden bei etwa 2/3 der Patienten erst in einem späten Stadium diagnostiziert; das mediane Überleben beträgt weniger als ein Jahr. Der Gedanke, dass möglicherweise ASS das Krebswachstum verlangsamen und die Mortalität senken könnte, war für die Autoren Anlass, den Zusammenhang zwischen dem Gebrauch von ASS nach der Diagnose und dem Überleben zu untersuchen.

Design

Aus der Britischen Datenbank „Clinical Practice Research Datalink“ wurden anonymisiert Informationen zu allen zwischen 1990 und 2017 an Karzinomen der Gallenblase und Gallenwege erkrankten Personen extrahiert. Mittels Cox-Regression wurden dann die Chancenverhältnisse (HR) und 95%-Konfidenzintervalle (KI) für eine Assoziation zwischen ASS-Gebrauch (mindestens eine Verschreibung binnen 30 Tagen nach der Diagnose) und dem Gesamtüberleben für verschiedene Krebsentitäten geschätzt.

Ergebnisse

  • Identifiziert wurden 2934 Patienten, unter denen 2415 (82%) nach median 5,8 Monaten verstorben waren. 9 % der Patienten hatten bereits vor der Diagnose ASS erhalten, weiteren 12 % (n=349) war es nach der Diagnose verschrieben worden, in den allermeisten Fällen in einer Dosierung von 75 mg/Tag.
  • Gesamtüberleben: HR und KI sowie 12-Monatsüberleben (ÜL) für ASS-Gebrauch gegenüber Nichtgebrauch:
    • Gallenblasen-Karzinom (n=667): 0,63 (0,48 – 0,83); ÜL 59 % vs. 27 %
    • Cholangiozelluläres Karzinom (n=1559): 0,71 (0,60 – 0,85); ÜL 62 % vs. 26 %
    • Karzinome der Papilla Vateri (n=224): 0,44 (0,26 – 0,76); ÜL 85 % vs. 52 %
    • Karzinome mit überlappenden Teilbereichen der Gallenwege (n=484): 0,68 (0,50 – 0,92); ÜL 57 % vs. 27 %.
  • Patienten unter ASS hatten generell eine höhere Überlebenswahrscheinlichkeit, der Unterschied zu Nicht-Usern war jedoch für jene Patienten stärker ausgeprägt, die ASS erst nach der Diagnose erhalten hatten.

Klinische Bedeutung

Mangels Daten konnten weder das Krebsstadium noch die Art der Chemotherapie in die Analyse einfließen. Dass die Ergebnisse durch eine Verzerrung zustande kamen, ist dennoch unwahrscheinlich: Die meisten Patienten werden in einem späten Stadium diagnostiziert, weniger als 10 % mit resektablen Tumoren. Die Autoren verweisen darauf, dass der Überlebensvorteil durch ASS in der gleichen Größenordnung sei wie der durch die aktuellen Behandlungsstandards. Prospektive, randomisierte Studien scheinen daher wünschenswert.

Finanzierung: National Cancer Institute.