ASS-Primärprävention: weniger kardiovaskuläre Ereignisse, mehr Blutungen


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Die Frage, ob ASS zur kardiovaskulären Primärprävention geeignet ist, lässt sich auch weiterhin nicht mit einem klaren Ja oder Nein be antworten. Denn dem Nutzen steht nunmal ein ähnlich großer Schaden gegenüber.

Hintergrund

Der Nutzen von ASS zur Primärprävention kardiovaskulärer Ereignisse wird seit Jahren diskutiert und in Studien geprüft. Erst kürzlich erschien mit der ARRIVE-Studie eine randomisierte und placebo-kontrollierte Multizenter-Studie zur Wirksamkeit und Sicherheit von niedrig dosiertem ASS bei Patienten mit moderat erhöhtem Risiko für ein erstes kardiovaskuläres Ereignis. Ergebnis: Der Thrombozytenaggregations-Hemmer erwies sich als nicht wirksamer als Placebo.

Design

Metaanalyse von 13 Studien (einschließlich der ARRIVE-Studie sowie anderen aktuellen Studien mit fast 165.000 Erwachsenen (Alter 53 bis 74 Jahre) ohne kardiovaskuläre Erkrankung.19 Prozent waren Diabetes-Patienten. Die mediane Beobachtungszeit betrug fünf Jahre. Verglichen wurden Studienteilnehmer, die ASS-einnahmen, mit Teilnehmern ohne ASS.

Hauptergebnisse

  • Die Auswertung ergab eine relative Risikoreduktion beim kombinierten Wirksamkeitsendpunkt (kardiovaskulärer Tod, nicht-tödlicher Herzinfarkt und/oder Schlaganfall) von 11 Prozent (HR 0,89). Die absolute Risikoreduktion betrug 0,38 Prozentpunkte.
  • Beim Sicherheitsendpunkt schwere Blutungen ergaben die Berechnungen eine relative Risikozunahme unter ASS von 43 Prozent (HR 1,43) und eine absolute von 0,47 Prozentpunkten 
  • Um ein kardiovaskuläres Ereignis (kardiovaskulärer Tod, nicht-tödlicher Herzinfarkt und/oder Schlaganfall) zu verhindern, müssten 265 Personen ASS erhalten. Zu einer Blutung komme es, wenn 210 Personen den Plättchenhemmer einnähmen. 

Klinische Bedeutung

Die vorliegende Studie spricht ebenso wie frühere Studien nicht eindeutig für eine ASS-Primärprävention. Daran haben auch die aktuellen, in der Metaanalyse berücksichtigten Studien (ASCEND, ASPREE und ARRIVE) nichts geändert. Bei der Entscheidung, ob ein Patient ASS zur Primärprävention erhalten sollte, sollten allerdings individuelle Faktoren berücksichtigt werden, etwa die Blutdruck- und Cholesterinwerte, heißt es in einem begleitenden Kommentar dazu. Außerdem sei die Entscheidung gemeinsam mit dem jeweiligen Patienten zu treffen.

Finanzierung: keine Angaben