ASS-Primärprävention: weniger HerzInfarkte, aber mehr Blutungen

  • Journal of the American College of Cardiology

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

ASS verhindert in der Primärprävention nicht-tödliche ischämische Ereignisse. Der Preis ist eine signifikante Zunahme nicht-tödlicher Blutungen. 

Hintergrund

Über das Nutzen-Risiko-Verhältnis einer kardiovaskulären Primärprävention wird seit vielen Jahren diskutiert; erst kürzlich haben mehrere Studien (ASPREE, ASCEND und ARRIVE) dazu wieder Gesprächsstoff geliefert. Allen drei Studien ließen sich eher Argumente gegen eine primärpräventive ASS-Behandlung entnehmen als Argumente dafür. 

Design

Metaanalyse von 15 randomisierten und kontrollierten Studien mit rund 83.500 Teilnehmern (mittleres Alter 61,6 Jahre), die ASS einnahmen, und fast 82.000 Personen (61,5 Jahre), die die Kontroll-Gruppen bildeten. Die aktuellen Studien ASPREE, ASCEND und ARRIVE wurden in der Metaanalyse berücksichtigt.

Hauptergebnisse

Die Berechnungen ergaben leichte Pluspunkte für die ASS-Primärprävention von nicht-tödlichen Myokardinfarkten und ischämischen Schlaganfällen. Die NNT (number of patients to be treated) betragen den Autoren zufolge 400 (nicht-tödliche Infarkte) und 500 (nicht-tödliche ischämische Schlaganfälle). Der Nachteil (erwartungsgemäß): mehr Blutungen, allerdings Gleichstand bei tödlichen Blutungen.

Hier die konkreten Zahlen: 

  • Gesamt-Mortalität: 4,75% (ASS-Gruppe) versus 4,82%; RR (risk ratio): 0,97; 95% CI: 0,93 - 1,01; p = 0,13
  • kardiovaskuläre Mortalität: 1,46% vs. 1,52%; RR: 0,93; 95% CI: 0,86 - 1,00; p = 0,064 
  • nicht-kardiovaskulärer Tod: 3,3% versus 3,3%; RR: 0,98; 95% CI: 0,92 - 1,05; p = 0,53
  • Myokardinfarkte insgesamt: 2,07% versus 2,35%; RR: 0,85; 95% CI: 0,76 - 0,95; p = 0,003
  • Nicht-tödliche Myokardinfarkte:1,37% versus 1,62%; RR: 0,82; 95% CI: 0,72 - 0,94; p = 0,005
  • ischämischer Schlaganfall: 1,29% vs 1,49%; RR: 0,87; 95% CI: 0,79 - 0,95; p = 0,002
  • hämorrhagischer Schlaganfall: 0,29% vs 0,23%; RR: 1,21; 95% CI: 0,99 - 1,47; p = 0,059
  • intrakranielle Blutungen (einschließlich hämorrhagische Schlaganfälle): 0,42% vs 0,32%; RR: 1,32; 95% CI: 1,12 - 1,55; p = 0,001
  • schwere gastrointestinale Blutungen: 0,80% vs 0,54%; RR: 1,52; 95% CI: 1,34 - 1,73; p 
  • tödliche Blutungen: 0,23% vs 0,19%; RR: 1,09; 95% CI: 0,78 - 1,55; p =0,6.

Bei Krebs-Diagnosen und krebs-bedingten Todesfällen wurden keine relevanten Unterschiede zwischen den Vergleichsgruppe festgestellt. Weitere Analysen zeigten, dass der Trend zu weniger kardiovaskulären Todesfällen nur bei Patienten mit hohem kardiovaskulären Zehn-Jahres-Risiko (über 7,5 Prozent) vorhanden war.

Klinische Bedeutung

Die Ergebnisse sprechen - wie die Resultate anderer Studien auch - nicht für eine generelle kardiovaskuläre Primärprävention mit ASS. Grundsätzlich sollte die Entscheidung für oder dagegen aber stets von den individuellen Gegebenheiten eines Patienten, insbesondere von der Höhe seines kardiovaskulären Risikos sowie der Blutungsgefahr abhängig gemacht werden, raten die Autoren. Zudem sollte im Falle einer Entscheidung für ASS eine niedrige Dosis (unter 100 mg/Tag) gewählt werden.

Finanzierung: keine  Angaben