ASS bei Diabetes-Patienten: weniger Herzinfarkte und Schlaganfälle, aber mehr schwere Blutungen


  • Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp

Kernbotschaften

Der Thrombozytenaggregations-Hemmer ASS kann bei Diabetes-Patienten, die noch keine kardiovaskuläre Erkrankung haben, Herzinfarkten und Schlaganfällen vorbeugen; es kann allerdings zu starken Blutungen kommen. Ein Tumor-protektiver Effekt wurde nicht nachgewiesen.

Hintergrund

Diabetes mellitus ist mit einer erhöhten Rate an kardiovaskulären Ereignissen verbunden. ASS kann vaskulären Ereignissen vorbeugen, geht aber mit einem erhöhten Blutungs-Risiko einher. Das Nutzen-Risiko-Verhältnis des niedrig-dosierten Thrombozytenaggregations-Hemmers in der kardiovaskulären Primärprävention bei Diabetes-Patienten ist nicht ausreichend klar.

Design

Randomisierte und placebo-kontrollierte Studie mit einer mittleren Beobachtungszeit von 7,4 Jahren. 15,480 Patienten mit Diabetes mellitus, aber ohne kardiovaskuläre Erkrankung erhielten täglich entweder 100 mg ASS oder Placebo. Die Mehrheit der Patienten wurde mit Statinen und Antihypertensiva behandelt. 

Primärer Wirksamkeit-Endpunkt war das erstmalige Auftreten eines vaskulären Ereignisses wie Herzinfarkt, Schlaganfall, TIA oder vaskulär bedingter Tod. Primärer Sicherheits-Endpunkt waren schwere Blutungen. 

Hauptergebnisse

Beim primären Wirksamkeits-Endpunkt schnitten die Patienten mit ASS mit einer Rate von 8,5 Prozent besser ab als jene mit Placebo mit 9,6 Prozent. Die Berechnung ergab eine Risikoreduktion von 12 Prozent (P = 0,01).

Schwere Blutungen, insbesondere gastrointestinale und andere extrakranielle, waren unter ASS allerdings häufiger (4,1 versus 3,2 Prozent (P = 0,003). Dies bedeutet, dass 9 von 1000 Teilnehmern eine ASS-bedingte schwere Blutung hatten (relative Risikozunahme 29 Prozent).

Weder beim Parameter Häufigkeit gastrointestinaler Tumoren noch der Rate aller Malignome gab es signifikante Unterschiede zwischen den beiden Studien-Gruppen (2,0 versus 2,0 Prozent und 11,6 versus 11,5 Prozent).

Klinische Bedeutung

Die Frage, ob Diabetes-Kranke von einer kardiovaskulären Primärprävention mit niedrig-dosiertem ASS profitieren, kann derzeit weder mit einem klaren Ja noch Nein beantwortet werden. Die Studie liefert auch keine Argumente dafür, Diabetes-Patienten zur Krebs-Prophylaxe ASS zu empfehlen. Die Studienteilnehmer werden nach Angaben der Autoren allerdings weiterverfolgt. 

Finanzierung der Studie: British Heart Foundation, Medical Research Council Population Health Research Unit (MRC-PHRU), Bayer AG, Solvay, Abbott und Mylan