ASCO 2018 Expertenkommentar zu Lungenkrebs: Positive Entwicklung in der Immuntherapie

  • 16.07.2018

  • Oncology news
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Dr. David Ross Camidge, MD, PhD ist Vorsitzender des Joyce Zeff Lung Cancer Research und leitet die Abteilung Thorakale Onkologie an der University of Colorado.

 

„Hallo und willkommen zurück zu einem weiteren kurzen Update über die spannenden Entwicklungen auf der ASCO 2018. Und, wenn ich eines der aufregendsten Entwicklungen in der thorakalen Onkologie der ASCO 2018 im Bereich Immunonkologie auswählen dürfte, wäre dies die Tatsache, dass zumindest der squamöse Krebs nun auch von der Immunchemotherapie profitieren kann.

 

Also, wahrscheinlich hat letztes Jahr eine transformative Phase-III-Studie, die KEYNOTE-189, demonstriert, dass Carboplatin, Pemetrexed und Pembrolizumab (ein PD-1-Inhibitor von Merck & Co., Inc., Kenilworth, NJ, USA) bei nichtsquamösem nichtkleinzelligen Lungenkarzinom über eine ganze Reihe verschiedener gefärbter PD-L1-Konzentrationen besser war als Carboplatin und Pemetrexed allein. PD-L1 ist der Ligand von PD-1 – und den können Sie tatsächlich einfärben – und je höher dessen Konzentration ist, um so sicherer können Sie von einem Nutzen mit einer Immuntherapie ausgehen. Manchmal scheint es aber zu einer Art Synergie zu kommen – und selbst bei relativ niedrigen PD-L1-Konzentrationen bis einschließlich 1 %, denn 0 % kann man ja nicht sagen – konnte man immer noch einen Nutzen mit der Zugabe von Pembrolizumab erkennen.

 

Also, wir hatten auf der ASCO in diesem Jahr zwei verschiedene Präsentationen. Eine war die Studie KEYNOTE-407, bei der erst Carboplatin und dann entweder Paclitaxel oder nab-Paclitaxel mit oder ohne Pembrolizumab verabreicht wurde. Und dann in einer anderen Studie wurde die gleiche Standard-Chemotherapie verabreicht, aber mit oder ohne Atezolizumab, einem PD-L1-Inhibitor von Genentech Roche, und die hieß IMpower131. Und in diesen beiden Studien wurde erneut gezeigt, dass die Zugabe einer Immuntherapie zu den Standard-Chemotherapien hinsichtlich des progressionsfreien Überlebens, der Ansprechrate und des Gesamtüberlebens über eine ganze Reihe unterschiedlicher Studien hinweg von Vorteil war.

 

Die andere Studie, die ich persönlich für interessant hielt, war eine sehr kleine, retrospektive Studie, in der bei Patienten unter 10 mg oder mehr Prednison gezeigt wurde, dass die Wirkung einer Immuntherapie scheinbar aufgehoben war. Das war natürlich eine retrospektive Studie und die Frage hier stellt sich, warum hatten sie eigentlich Steroide erhalten. Aber sagt uns das, dass dies ein schlechtes prognostisches Zeichen ist? Obwohl sie versucht hatten, die Hirnmetastasen und den Allgemeinzustand unter Kontrolle zu bringen, es gibt einem doch zu denken.

 

Schließlich gab es noch in der Plenarsitzung von ASCO die Studie KEYNOTE-042. Und auch hier wussten wir bereits aus einer veröffentlichten Phase-III-Studie, KEYNOTE-024, dass bei sehr hohen Konzentrationen des Liganden PD-L1 – 50 % oder höher, was tatsächlich die 30 % bei Lungenkrebs einschließt – man mit Pembrolizumab allein bereits auf der sicheren Seite und es tatsächlich besser war als eine reine Chemotherapie.

 

Nun spricht die Studie KEYNOTE-189 ganz offensichtlich dafür, dass eine Kombination auch für diese Personen geeignet sein könnte; bisher hat noch keiner einen Direktvergleich der zwei Wirkstoffe vorgenommen. Aber in KEYNOTE-042, der Studie in der Plenarsitzung, wurde auch über die andere Seite der Medaille gesprochen. Was, wenn man niedrigere PD-L1-Konzentrationen hatte, konnte man dann immer noch gegen Chemotherapie gewinnen? Also, die erste Studie handelte davon, es einfach mal dort auszuprobieren, wo es möglich war, Sie wissen schon, eine Bestätigung mit jeder hohen Konzentration zu erreichen und damit einer Chemotherapie überlegen sein. Aber traf das auch bei niedrigeren Konzentrationen zu?

 

Interessanterweise erreichte man bei PD-L1-Konzentrationen zwischen 1 % und 49 % ein mit einer Chemotherapie gleichwertiges Gesamtüberleben. Die Hazardrate lag bei 0,91; technisch gesehen erreichte sie damit keine statistische Signifikanz und somit konnte man auch nicht wirklich sagen, ob es denn nun ein bisschen besser oder schlechter war. Ich glaube, das ist eine interessante Beobachtung. Obgleich im Fall von KEYNOTE-189, sofern es keinen bestimmten Grund gibt, warum ein Patient keine Chemotherapie haben sollte, und vor dem Hintergrund, dass bekannt ist, das eine Immunchemotherapie besser als eine reine Chemo ist, und eine Immuntherapie bei dieser Gruppe mit niedrigen PD-L1-Konzentrationen mit einer Chemotherapie gleichwertig ist, die meisten Patienten wahrscheinlich eine Immunchemotherapie erhalten würden.

 

Das ist eine ganze Menge zu verdauen und das sollten wir das erst einmal sacken lassen. Vielen Dank fürs Zuhören.“