Arzt-Patienten-Gespräche über das Lebensende: Angst und Depressivität werden verringert


  • Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Ein evaluiertes Konzept zur Gesprächsführung über eine infauste Prognose und eine sehr begrenzte Lebenserwartung macht Patienten zwar nicht ruhiger und gelassener. Das strukturierte Gespräch vermindert aber Angstgefühle und Depressivität – zumindest für einige Zeit.

Hintergrund

In den letzten 12 Monaten des Lebens erleben viele Schwerkranke körperlichen und emotionalen Stress, eine inadäquate Kommunikation mit Ärzten und Pflegenden und häufig auch eine nicht ihren Bedürfnissen und Möglichkeiten angepasste Versorgung. Das haben zahlreiche Studien aus den vergangenen Jahren ergeben. Nun ist in US-amerikanischen onkologischen Schwerpunktpraxen, die mit größeren Kliniken und Lehrkrankenhäusern vernetzt waren, ein Konzept zur Gesprächsführung mit Patienten evaluiert worden, das einerseits so rechtzeitig die starke Begrenzung der verbleibenden Lebenszeit vermittelt, dass Ärzte und Pflegende auf Wünsche des Patienten reagieren können, andererseits aber auch die beim Patienten ausgelösten Gefühle aufgreift und eine Akzeptanz ermöglicht. Ziel ist die Verbesserung der Lebensqualität.

Design

  • individuelle Schulungen und Coachings von Ärztinnen und Ärzten in onkologischen Schwerpunktpraxen anhand des Leitfadens Serious Illness Conversation Guide (SICG)
  • Randomisierung der teilnehmenden Praxen (41) in eine Interventionsgruppe (n = 20) und eine Kontrollgruppe (n = 21)
  • terminal krebskranke Patienten und ihre Angehörigen füllten zu Beginn der Studie Fragebogen zur emotionalen und körperlichen Befindlichkeit und Prioritäten für die Versorgung aus
  • alle 2 Monate wurden die Fragen erneut beantwortet (bis zum Tod, maximal aber 2 Jahre)

Hauptergebnisse

278 Patienten nahmen teil, davon waren 134 in der Interventionsgruppe und 144 im Kontrollarm. Die Basiswerte zur inneren Ausgeglichenheit, der Qualität der therapeutischen Allianz, Ängstlichkeit und Depressivität unterschieden sich zwischen den Gruppen nicht. Die Ärzte der Interventionsgruppe führten mindestens 1 Gespräch mit den Patienten nach den Vorgaben des Leitfadens SICG über die infauste Prognose. Die Gespräche dauerten median 19 Minuten (bis zu 70 Minuten).

12 und 24 Wochen nach mindestens 1 Intervention gab es keine wesentlichen Unterschiede in den Parametern Ruhe/Ausgeglichenheit/Akzeptanz und Konkordanz zwischen individuellen Prioritäten und der Versorgung. Das war der kombinierte primäre Endpunkt. Durch ein Gespräch auf Basis des SICG wurde aber die Häufigkeit mittelschwerer und schwerer Angstsymptomatiken reduziert (10,2 % vs. 5,0 %) und die Häufigkeit von Depressionen (20,8 % vs. 10,6 %), jeweils evaluiert nach 12 Wochen. Die Reduktion der Angstsymptomatik hielt auch 24 Wochen später noch an, die der Depressivität aber nicht.

Klinische Bedeutung

Eine strukturierte Gesprächsführung von Ärzten mit terminal krebskranken Patienten vermindert Angst und Depressivität und könnte damit die Lebensqualität verbessern, so die Autoren. Auf die Konkordanz zwischen Wünschen des Patienten mit der Versorgung hatte die Intervention in dieser Studie keinen Einfluss.

Finanzierung: öffentliche Mittel