Arthrose geht mit einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen einher

  • Turkiewicz A & al.
  • Osteoarthr Cartil
  • 01.06.2019

  • von Dr. Stefanie Reinberger
  • Studien – kurz & knapp
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Hintergrund

Osteoarthrose ist die häufigste Gelenkerkrankung weltweit. Sie führt zu Schmerzen, individueller Belastung und Verlust der Lebensqualität. Ob auch die Sterblichkeit durch Gelenksarthrose erhöht ist, wird kontrovers diskutiert. In den letzten Jahren mehren sich jedoch die Hinweise, dass die Sterblichkeit bei Menschen mit Arthrose in Knie- und Hüftgelenk gegenüber Nichtbetroffenen leicht erhöht ist. Die vorliegende Studie untersucht, ob bestimmte Todesursachen bei Menschen mit Arthrose häufiger vorkommen.

Studiendesign

Registerstudie basierend auf Gesundheitsdaten der Region Skåne in Südschweden. Ausgewertet wurden die Daten von Einwohnern, die zwischen 45 und 84 Jahre alt waren.

Hauptergebnisse

  • Unter 469.152 Bewohnern der Region Skåne, die im Jahr 2003 in der Altersgruppe 45 bis 84 waren, wurden insgesamt 29.189 Personen mit diagnostizierter Arthrose identifiziert. Darunter hatten

    • 15.901 Personen eine Arthrose im Knie;
    • 9347 Personen im Hüftgelenk;
    • 4004 Personen in den Händen;
    • Bei 5447 Personen waren andere periphere Gelenke betroffen.
  • Während einer mittleren Beobachtungszeit von 9,6 Jahren für Arthrose-Patienten und 10 Jahre für Menschen ohne Arthrose, lag die Sterblichkeitsrate pro 1000 Personen bei

    • 30,1 für Betroffene mit Arthrose im Knie;
    • 40,2 für Betroffene mit Arthrose im Hüftgelenk;
    • 20,8 für Betroffene mit Arthrose der Hand;
    • 24,3 für Betroffene mit Arthrose in anderen Gelenken;
    • und 20,3 Personen ohne Arthrose
  • Für die meisten Todesursachen konnte keine erhöhte Mortalität bei Arthrose-Patienten festgestellt werden.

  • Für Patienten mit Arthrose in Knie oder Hüfte war das Risiko, an einer kardiovaskulären Erkrankung zu versterben, erhöht. Das Risiko stieg während der Beobachtungszeit an auf 1.19 [95% CI 1.10, 1.28] beziehungsweise 1.13 [95% CI 1.03, 1.24]

  • Haupttodesursache unter den Betroffenen waren Herzversagen und chronische Ischämische Herzkrankheit.

Klinische Bedeutung

Aufgrund der großen Probandenzahl war es möglich, bei Betroffenen mit Arthrose in Knie oder Hüfte eine gegenüber der Normalbevölkerung erhöhte Sterblichkeit durch kardiovaskuläre Erkrankungen auszumachen. Eine mögliche Ursache sieht Studienautor Martin Englund, Universität Lund, Schweden, darin, dass das Leben der Betroffenen aufgrund von Schmerzen zunehmend bewegungsärmer wird. „Dadurch gibt es ein Risiko für eine Gewichtszunahme, die, wie wir wissen, zu Sekundärerkrankungen wie kardiovaskulären Erkrankungen führen kann“, sagt Englund. Er verweist darauf, dass es in einigen Ländern spezielle Programme für Arthrose-Patienten gibt, die unter anderem die Bewegung fördern. Hier sehen die Studienautoren ein großes Potenzial, die Sterblichkeit durch kardiovaskuläre Erkrankungen zu senken. Darüber hinaus könnten nach Ansicht von Englund auch Entzündungsprozesse eine Rolle für das erhöhte Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen spielen.

Limitierung

  • Da nicht alle Betroffenen sich mit einer Arthrose an einen Arzt wenden, lässt sich nicht ausschließen, dass sich in der Studiengruppe der Nichtbetroffenen auch Personen mit Arthrose befanden.
  • Die Studie kann keine Aussagen darüber treffen, welche Mechanismen hinter der erhöhten Mortalität durch kardiovaskuläre Erkrankungen stehen.

Finanzierung

Swedish Research Council und andere.