Aortenklappenstenose: Interventionelle Kardiologen trommeln weiter für TAVI

  • Deutsche Gesellschaft für Kardiologie

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften

Aufgrund aktueller Studien-Ergebnisse ist die Katheter-gestützte Klappen-Implantation, wie die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) erneut betont, bei so gut wie allen Patienten mit Aortenklappenstenose die Therapie der Wahl, auch bei jenen Herzkranken mit geringem Operationsrisiko. Die Leitlinien sowie die regulatorischen Vorschriften zum Aortenklappenersatz sollten daher angepasst werden, so die Fachgesellschaft in einer Mitteilung zu ihrer Jahrestagung in Mannheim. 

Alter Goldstandard gerät ins Wanken“

Bereits vor wenigen Tagen meldete die Fachgesellschaft, dass „die Vorteile durch TAVI-Eingriffe in neuen Studien eindrucksvoll belegt“ seien. „Es haben sich in den letzten Wochen dramatische Änderungen der Datenlage ergeben. Ein alter Goldstandard gerät ins Wanken und wird durch eine neue Therapie ersetzt“, so nun erneut Prof. Helge Möllmann, stellvertretender Sprecher der Arbeitsgruppe Interventionelle Kardiologie (AGIK) der DGK. Er bezog sich dabei auf die im März erschienene, vom Hersteller Edwards Lifesciences finanzierte PARTNER 3-Studie. Die Studie zeigte eine deutliche Überlegenheit der TAVI-Methode im Vergleich zum chirurgischen Verfahren: Nach zwölf Monaten waren 15,1% der chirurgisch behandelten Patienten gestorben, erlitten einen Schlaganfall oder mussten wegen Komplikationen erneut stationär in einem Krankenhaus behandelt werden. Bei der TAVI waren es 8,5% der Patienten. Wurden ausschließlich die Punkte Tod und behindernder Schlaganfall betrachtet, konnten durch die TAVI-Prozedur rund zwei Drittel der Ereignisse reduziert werden. „Die Risikoreduktionen, die PARTNER 3 zeigt, sind so ausgeprägt, dass Kritikern der Methode jeder Wind aus den Segeln genommen ist“, wird Möllmann in der Mitteilung zitiert. Und: „So eindeutige Daten gibt es nicht noch einmal.“ 

Haltbarkeit der TAVI-Klappen laut Kardiologen-Gesellschaft nachgewiesen

Immer wieder infrage gestellt wird die Haltbarkeit der bei einer TAVI eingesetzten Prothesen. Es fehlten die Langzeitdaten, sagen Kritiker. Möllmann: „Für die wenigsten chirurgischen Aortenklappenprothesen gibt es echte Langzeitdaten. Die Prothesen werden weiterentwickelt und die Berechnungen zur Haltbarkeit aus alten Studien extrapoliert. Darüber hinaus liegen uns Daten vor, die zeigen, dass es in den ersten 7 Jahren nach der Implantation keine Anzeichen für Degenerationen bei den TAVI-Klappen gibt. Im Gegenteil: kürzlich publizierte Daten weisen zumindest für die ersten 6 Jahre statistisch deutlich signifikante Vorteile für die TAVI-Klappen aus.“

Kardiologen fordern neue Regelungen des GB-A und der Krankenkassen

Nach Auffassung der Kardiologen sei es nun „unbedingt notwendig“, die Behandlungsleitlinien dieser Datenlage zügig anzupassen, da eine therapieverändernde neue Evidenz durch die Daten entstanden sei. Prof. Dr. Karl-Heinz Kuck: „Zuvor werden wir schon zeitnah mit der Erstellung eines Positionspapieres beginnen, in das wir unsere herzchirurgischen Kollegen gern einbinden möchten. Eindeutig ist es an der Zeit, TAVI zum Goldstandard in der Therapie der Aortenklappenstenose zu erklären und die regulatorischen Voraussetzungen seitens des Gemeinsamen Bundesausschusses und der Krankenkassen an die dramatisch veränderte Datenlage anzupassen.“

Besonders gestärkt werden müsse die gleichberechtigte Herangehensweise im Herzteam. „Alle Patienten müssen gemeinsam hinsichtlich der optimalen Behandlungsmöglichkeit von Kardiologen und Chirurgen begutachtet werden, auch die, die initial an die chirurgischen Kollegen überwiesen wurden“, forderte Möllmann. „Die optimale Therapie wird, das zeigen uns die Daten, in den allermeisten Fällen die TAVI sein.“