Antioxidantien gegen Verminderung der Lungenfunktion bei Erwachsenen


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaften

Die Ergebnisse einer großen europäischen Ernährungsstudie unterstützen die Annahme, dass der Konsum überdurchschnittlicher Mengen von Antioxidantien durch Obst und Gemüse in der Nahrung die altersbedingte Verschlechterung der Lungenfunktion bremsen könnte. Die Assoziation ist schwach, jedoch bei Ex-Rauchern stärker ausgeprägt.

Hauptergebnisse

Die 680 Teilnehmer waren zum Studienbeginn durchschnittlich 43,8 Jahre alt, 16 % Raucher, 40 % hatten früher geraucht. Im Mittel hatte die Einsekundenkapazität (FEV1) über 10 Jahre um 445 mL abgenommen, und die forcierte expiratorische Vitalkapazität (FVC) um 389 mL. An Obst und Gemüse wurden durchschnittlich 278 Gramm bzw. 114 Gramm täglich konsumiert.

  • Im adjustierten Modell korrelierte die Gesamtmenge an konsumiertem Obst schwach mit einem langsameren Rückgang der Lungenfunktion (FEV1). Absolut betrug diese Verminderung 3,5 mL/Jahr für jede Zunahme um ein Terzil beim Obstkonsum.
  • Ebenso korrelierte der Mehrverbrauch von Äpfeln, Bananen, Tomaten, Kräutertee und Vitamin C um jeweils ein Terzil mit einer langsameren Abnahme der FVC. Davon blieb allerdings nach statistischen Korrekturen nur für Tomaten ein Schutzeffekt übrig (4,74 mL/Jahr und Terzil).
  • Eine Subgruppenanalyse nach Raucherstatus ergab durchgehend signifikante (p<0,05) verringerte Abnahmen der Lungenkapazität (FEV1 und FVC) bei Ex-Rauchern unter vermehrtem Konsum von Obst, Äpfeln, Tomaten und Kräutertee, nicht aber bei Probanden, die aktuell nicht rauchten oder immer Nichtraucher gewesen waren.

Design

  • Retrospektive Auswertung von Daten des European Community Respiratory Health Survey.
  • Detaillierte klinische Untersuchung von 600 Probanden (1991-1993), einmalige Befragung zu Ernährungsgewohnheiten (2002), Spirometrie (2002, 2012).
  • Studienziel war die Frage, ob eine erhöhte Einnahme von Antioxidantien mit der Nahrung die altersbedingte Verschlechterung der Lungenfunktion verlangsamen kann.
  • Finanzierung: Europäische Union und Europäische Kommission für die Kohortenstudie, sowie zahlreiche weitere für die aktuelle Auswertung.

Klinische Bedeutung

Die Datenlage zum Schutz der Lunge durch mit der Nahrung eingenommene Antioxidantien ist uneinheitlich. Hier stützt man sich auf die einmalige Befragung zu Ernährungsgewohnheiten sowie zwei spirometrische Untersuchnungen im Abstand von 10 Jahren bei 680 Deutschen, Briten und Norwegern. Diese machen allerdings nur einen kleinen Rest jener 3739 Probanden aus, die an der ersten Befragung teilgenommen hatten. Die EU-finanzierte Studie konstatiert einen langsameren Rückgang der Lungenfunktion (FEV1 und FVC) unter einem höheren Konsum von Äpfeln, Bananen und Tomaten. Nach einer statistischen Korrektur bleibt davon aber nur eine Assoziation von Tomaten mit einem langsameren Rückgang des FVC übrig. Dass in der Subgruppenanalyse Ex-Raucher den größten Nutzen von Äpfeln, Bananen und Tomaten hatten, ist plausibel. Die Autoren machen hierfür insbesondere die Flavonoide im Obst und Lycopen in den Tomaten verantwortlich, welche helfen sollen, die vorgeschädigten Lungen zu reparieren. Ebenso plausibel scheint es aber, dass es bei den Ex-Rauchern weitere Veränderungen im Lebensstil gab, die eine Erholung der Lungen begünstigen.