Antikörper soll Nasenpolypen und Verstopfungen bei chronischer Sinusitis bekämpfen

  • Lancet

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Patienten mit schwerer chronischer Rhinosinusitis und Nasenpolypen atmen freier, wenn sie zusätzlich zur Standardtherapie den Antikörper Dupilumab erhalten.

Hintergrund

Patienten mit schwerer chronischer Rhinosinusitis und Nasenpolypen (CRSwNP) haben im Allgemeinen eine hohe symptomatische Belastung, schlechte Lebensqualität, und sie benötigen häufig wiederholte systemische Corticosteroide und mehrfache Nasennebenhöhlenoperationen. Eine mögliche neue Option könnte der monoklonale Antikörper Dupilumab sein, der mit Interleukin 4 und Interleukin 13 zwei wichtige Treiber von Entzündungen inhibiert.

Design

Berichtet wird über die beiden multinationalen randomisierten, doppelblinden, Studien SINUS-24 und SINUS-52, bei denen Dupilumab bzw. Placebo zusätzlich zur Standardtherapie verabreicht wurde. Die insgesamt 724 Patienten waren mindestens 18 Jahre alt, litten bilateral unter CRSwNP und hatten Symptome trotz intranasalen und systemischen Corticosteroiden oder Nasen­neben­höhlen­operationen. Während bei SINUS-24 der Antikörper oder Placebo nur 24 Wochen subkutan alle 2 Wochen in einer Dosierung von 300 mg verabreicht wurde, waren es bei SINUS entweder 52 Wochen oder - in einer weiteren Gruppe – der Abstand der Injektionen wurde nach 24 Wochen für die folgenden 28 Wochen auf 4 Wochen erhöht. Die Co-primären Endpunkte waren Veränderungen im Nasenpolypen-Wert (NPS), nasale Verstopfungen und die Japan gebräuchlichen Lund-Mackay CT-Werte.

Ergebnisse

  • Unter Dupilumab gab es in beide Studien signifikante Verbesserungen gegenüber Placebo:
    • Mit der kleinste-Quadrate-Methode beim NPS – 2,06 bzw. – 1,80 (p jeweils
    • Nasenverstopfungswert – 0,89 bzw. 0,87 (p jeweils
    • Differenz der Lund-Mackay CT-Werte - 7,44 bzw. – 5,13 (p jeweils
  • Nebenwirkungen waren mit Dupilumab häufiger als unter Placebo und betrafen vor allem Nasopharyngitis, eine Verschlimmerung der Polypen und von Asthma, Kopfschmerzen, Nasenbluten und Erytheme an der Injektionsstelle.

Klinische Bedeutung

Die CRSwNP hat eine hohe Prävalenz (4,3 % in Europa), eine hohe Comorbidität z.B. mit Asthma und mit den gegenwärtig verfügbaren Optionen (systemische Corticostroide und Operationen) eine hohe Rückfallrate. Laut den Autoren werden mit Dupilumab die zugrundeliegenden inflammatorischen Typ-2-Prozesse beeinflusst, wofür die verbesserte Symptomatik als Beleg dienen mag. Allerdings handelte es sich hier um eine Add-On-Therapie. 12 Wochen nach deren Absetzen war die Größe der Nasenpolypen und die Schwere der Symptome wieder ähnlich wie in der Placebogruppe, was den Nutzen dieser teuren Behandlung auch nach einer Zulassung in dieser Indikation relativieren dürfte.

Finanzierung: Sanofi und Regeneron Pharmaceuticals.