Antikoagulation nach venöser Thromboembolie: endlos oder begrenzt?

  • British Medical Journal

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Bei Patienten mit erstmaliger venöser Thromboembolie, die mindestens drei Monate Antikoagulation hinter sich hatten, betrug das errechnete Risiko für eine erneute venöse Thromboembolie im ersten Jahr nach der Therapie zehn Prozent, nach zwei Jahren 16 Prozent, nach fünf Jahren 25 und nach zehn Jahren 36 Prozent. Vier Prozent der erneuten Thromboembolien waren tödlich.

Hintergrund

Bei Patienten mit erstmaliger venöser Thromboembolie (tiefe Beinvenenthrombose und Lungenembolie) ist die optimale Dauer der Antikoagulation, ob unbegrenzt oder nur für drei bis sechs Monate, unklar. Ergebnisse eines kontrollierten Vergleichs dieser beiden Strategien liegen nach Angaben der Autoren nicht vor. Auch gibt es keine qualitativ ausreichenden Daten zur Mortalität.  

Design

Systematischer Review und Metaanalyse von 18 randomisierten und kontrollierten sowie prospektiven Kohorten-Studien mit insgesamt 7515 Patienten. 

Hauptergebnisse

1. Die gepoolte Rate erneuter Thromboembolien betrug nach Stopp der Antikoagulation pro 100 Personen-Jahre

  • im ersten Jahr 10,3 (95% CI 8,6 -12,1)
  • im zweiten Jahr 6,3 (5,1- 7,7)
  • in den Jahren drei bis fünf jährlich 3,8 (3,2 - 4,5) und 
  • in den Jahren sechs bis zehn jährlich 3,1 (1,7 - 4,9). 

2. Die kumulative Inzidenz betrug nach

  • zwei Jahren 16% (13% - 19%)
  • nach fünf Jahren 25% (21% - 29%) und 
  • nach zehn Jahren 36% (28% - 45%). 

3. Die Letalität bei einer erneuten venösen Thromboembolie betrug vier Prozent (2% - 6%).

4. Das kumulative Risiko einer erneuten tödlichen Thromboembolie beträgt zehn Jahre nach Stopp der Antikoagulation 1,5 Prozent.

Klinische Bedeutung

Die Ergebnisse sind nach Angaben der Autoren relevant für praktische Empfehlungen bzw. Therapie-Leitlinien. Darüber hinaus könnten sie bei der Wahl der Therapie-Strategie helfen, etwa indem das Risiko eines Todesfalles durch eine erneute Thromboembolie nach Stopp der Antikoagulation verglichen wird mit dem Risiko einer tödlichen Blutung bei fortgesetzter Gerinnungshemmung: Zudem könnten die Daten bei der Aufklärung der Patienten genutzt werden 

Finanzierung: Canadian Institutes of Health Research