Antihypertensiva laut Meta-Analyse mit geringfügig niedrigeren Demenz-Raten assoziiert

  • JAMA

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Menschen, die über mehrere Jahre hinweg Blutdrucksenker einnehmen, haben ein geringfügig geringeres Risiko für Demenzerkrankungen und kognitive Einbußen, so das Ergebnis einer Meta-Analyse, die auf randomisierten Studien mit mehr als 90.000 Teilnehmern beruht.

Hintergrund

Ein erheblicher Teil der Demenzerkrankungen ist zumindest teilweise vaskulärer Genese. Wiederholt wurde deshalb die Frage gestellt, ob Maßnahmen zur Senkung des Blutdrucks einen präventiven Effekt auf Demenzen und kognitive Beeinträchtigungen haben.

Design

Systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse randomisierter klinischer Studien, die bis Ende 2019 in den Datenbanken PubMed, EMBASE, und CENTRAL erfasst wurden und die Auswirkungen blutdrucksenkender Maßnahmen auf kognitive Fähigkeiten zum Gegenstand hatten.

Ergebnisse

  • Die Autoren fanden 14 geeignete Studien mit zusammen 96.158 Teilnehmern. Für die Primäranalyse berücksichtigt wurden 12 dieser Studien (n = 92135), bei denen die Demenz-Inzidenz  und/oder die Häufigkeit von kognitiven Beeinträchtigungen nachverfolgt wurden (im Durchschnitt 49,2 Monate). Das durchschnittliche Alter der Studienteilnehmer war 69 Jahre, der Männeranteil betrug 57,8%. Die durchschnittlichen Blutdruckwerte lagen bei 154 mm Hg systolisch und 83,3 mm Hg diastolisch.
  • Die Blutdrucksenkung mit Antihypertensiva war statistisch signifikant mit einem reduzierten Risiko für Demenz oder kognitive Beeinträchtigungen assoziiert. Der Anteil der Patienten, die erkrankten betrug 7,0 % gegenüber 7,5 % in den Kontrollgruppen. Das Chancenverhältnis OR von 0,93 hatte ein 95%-Konfidenzintervall von 0,88 – 0,98.  Die absolute Risikoreduktion betrug 0,39 %.
  • Kognitive Einbußen wurden bei 20,2 % unter Antihypertensiva festgestellt gegenüber 21,1 % bei den Kontrollen (OR 0,93; 95%-KI 0,88 – 0,99; absolute Risikoreduktion 0,71 %). Allerdings gab es keine signifikante Assoziation zwischen einer Blutdrucksenkung und den Ergebnissen kognitiver Tests.

Klinische Bedeutung

Nach mehreren einschlägigen Untersuchungen zum Thema mit widersprüchlichen Ergebnissen findet die neueste Meta-Analyse nun einen Zusammenhang zwischen Blutdrucksenkung und verringerten Demenzraten bzw. kognitiven Einbußen. Die Assoziationen sind allerdings schwach und die absoluten Risikoreduktionen entsprechend gering. Die Einschätzung der Autoren, ihre Befunde hätten „das Potenzial, Strategien für das Gesundheitswesen zu informieren, um die Belastung durch Demenzen weltweit zu senken“ dürfte daher bei Manchen auf Skepsis stoßen.

Finanzierung: Irish Clinical Academic Training Programme, Wellcome Trust, Health Research Board u.a.