Antientzündliche Therapien bei Atherosklerose zunehmend im Fokus der Forscher

  • Deutsche Gesellschaft für Kardiologie und "Herz"

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften

Da Entzündungsvorgänge an der Pathogenese der Atherosklerose beteiligt sind, rücken antientzündliche Therapien in der kardiovaskulären Medizin zunehmend in den Fokus, so auch bei der diesjährigen Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie in Mannheim.

Bisherige Therapien nicht ausreichend

Bisher kann die Atherosklerose weder mit cholesterinsenkenden Therapien verhindert, noch mit Bypass-Operationen oder der Implantation von koronaren Stents gestoppt werden. Folgerichtig sind neue Forschungsansätze notwendig. Ein zunehmend diskutierter Ansatz sind antientzündliche Therapien. Der Hintergrund: Assoziationsstudien (GWAS), bildgebende Verfahren, transgene Mausmodelle und klinische Interventionsstudien zeigten, dass sowohl das angeborene, als auch das adaptive Immunsystem die Gefäßerkrankung beschleunigen oder verlangsamen könnten, so kürzlich Dr. Dennis Wolf (Universität Freiburg) und Professor Klaus Ley (La Jolla Institute for Immunology) im Fachmagazin „Herz“. Außerdem bestehe „trotz erfolgreicher Senkung des LDL-Cholesterins weiterhin ein relevantes Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse, welches überwiegend inflammatorischen Ursprungs ist“, berichten Dr. Holger Winkels (La Jolla Institute for Immunology) und Professor Stephan Baldus von der Universitätsklinik in Köln („Herz“).  „Meine feste Überzeugung ist, dass noch zu entwickelnde antiinflammatorische, also antientzündliche Therapiestrategien das Potential haben, die Behandlung der Atherosklerose ganz wesentlich und positiv zu verändern“,  so Baldus, Tagungspräsident in Mannheim.

Große Studien zeigen vielversprechende Ansätze

Große Aufmerksamkeit in diesem Zusammenhang weckte vor anderthalb Jahren die CANTOS-Studie mit Canakinumab. Die vom Unternehmen Novartis finanzierte Studie lieferte  Hinweise darauf, dass eine pharmakologische Entzündungshemmung bei Atherosklerose vor kardiovaskulären Komplikationen schützen kann. Die Gesamtsterblichkeit war allerdings aufgrund einer herabgesetzten Immunabwehr mit tödlichen Infektionen unverändert. „Die in dieser Studie publizierten Effekte sind jedoch leider noch begrenzt, und die Euphorie hinsichtlich der Nachweisbarkeit dieses Mechanismus hat sich leider bisher nicht in einer noch effektiveren Therapie umgesetzt“, schränkt daher Baldus ein. „Neue Untersuchungen zu etwas unspezifischer wirkenden antientzündlichen Strategien konnten zuletzt nicht überzeugen. So wurde zum Beispiel Methotrexat in einer placebo-kontrollierten Studie bei Patienten mit Atherosklerose geprüft. Ergebnis war allerdings, dass diese Patienten offenbar nicht von niedrig-dosiertem Methotrexat profitierten. In dieser im Februar dieses Jahres publizierten Studie (CIRT) reduzierte der Entzündungshemmer weder die Spiegel der Entzündungsmarker Interleukin-1β, Interleukin-6 und C-reaktives Protein noch die Rate kardiovaskulärer Ereignisse.

Noch viel Forschung notwendig

Aber die Tatsache, dass groß angelegte Studien zu antiinflammatorischen Mediatoren unternommen würden, zeigt laut Baldus auf der einen Seite den festen Willen, in dieser Richtung neue Therapieformen zu entwickeln, und auf der anderen Seite, dass wir leider noch viel Forschung brauchen, um für die Patienten etwas Konkretes anbieten zu können.“ Mit einer einzelnen Substanz könne man das komplexe Krankheitsbild zwar weder verhindern noch rückgängig machen, aber man sei auf dem richtigen Weg, indem gezielt Signalkaskaden der Zellen attackiert würden. „Ich hoffe sehr, dass sich dies in einer Verbesserung der Therapieoptionen dieser Erkrankung niederschlägt, die wahrscheinlich nicht mit einem einzigen Medikament zurückzudrängen oder zumindest zum Stillstand zu bringen ist“, meint der Kardiologe. 

Noch gilt allerdings die Hauptbotschaft eines Wissenschaftler-Teams der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie in einer Stellungnahme zur antiinflammatorischen Therapie bei Atherosklerose: Der Nutzen von Entzündungshemmern zur Prävention kardiovaskulärer Erkrankungen ist noch nicht so gut belegt, dass antiendzündliche Wirkstoffe der Standardtherapie mit Statinen bei Atherosklerose hinzugefügt werden sollten („European Journal of Preventive Cardiology“).