Antidot für Rivaroxaban und Apixaban: sicher und effektiv


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Die gerinnungshemmende Wirkung von Faktor Xa-Inhibitoren wie Rivaroxaban und Apixaban kann mit Andexanet alfa rasch aufgehoben werden. Bei der Mehrheit der Patienten wurde eine sehr gute oder gute Blutgerinnung erreicht.

Hintergrund

Die neuen oral verabreichten Gerinnungshemmer haben sich in den letzten Jahren einen festen Platz in der Therapie erobert, etwa zur Schlaganfall-Prävention bei Vorhofflimmern. Zu Beginn ihrer „Karriere“ gab es allerdings einige Argumente gegen ihre Anwendung; ein Hauptargument war das Fehlen von Antidots. Inzwischen sind mit Idarucizumab und Andexanet alfa solche Gegenmittel verfügbar. Zulassungsrelevante Studien sind insbesondere die Idarucizumab-Studie REVERSE AD und die Andexanet-Studie ANNEXA-4. Zwischen-Ergebnisse dieser Studie zu 67 Patienten wurden 2016 auf dem Kongress der Europäischen Kardiologen-Gesellschaft in Rom präsentiert und zeitgleich publiziert; weitere Daten zu über 300 Patienten sind nun im „New England Journal of Medicine“ erschienen.

Design

In die Studie wurden 352 Patienten (Durchschnittsalter 77 Jahre) aufgenommen, bei denen es innerhalb von 18 Stunden nach Gabe eines Faktor Xa-Inhibitors zu einer akuten schweren Blutung kam. 64 Prozent hatten intrakranielle Blutungen, 26 Prozent gastrointestinale. Sie bekamen zunächst einen Andexanet-Bolus, dann wurde ihnen das Antidot zwei Stunden lang kontinuierlich infundiert. Die koprimären Endpunkte waren die prozentuale Änderung der Anti-Faktor-Xa-Aktivität nach Andexanet-Therapie und der Prozentsatz der Patienten mit exzellenter oder guter Hämostase 12 Stunden nach Ende der Antidot-Infusion.

Hauptergebnisse

  • Bei den Patienten, die Apixaban eingenommen hatten, nahm die mediane Anti–Factor-Xa-Aktivität von primär 149,7 ng/ml auf 11,1 ng/ml nach dem Andexanet-Bolus ab. Dies entspricht einer relativen Reduktion um 92 Prozent.
  • Bei den Patienten mit Rivaroxaban nahm die Anti–Factor-Xa-Aktivität von 211,8 ng/ml auf 14,2 ng/ml nach Bolus-Gabe ab. Dies entspricht ebenfalls einer relativen Reduktion um 92 Prozent.
  • Eine exzellente oder gute Hämostase wurde bei 82 Prozent (204/249) der evaluierbaren Patienten erreicht.
  • Anhand der Reduktion der Anti–Faktor-Xa-Aktivität konnte die Effektivität auf die Gerinnung nicht vorhergesagt werden.

Klinische Bedeutung

Die Ergebnisse stützen die Anwendung des Antidots und damit auch die Behandlung mit Gerinnungshemmern wie Apixaban und Rivaroxaban.  Der Anteil von 82 Prozent der Patienten mit exzellenter oder guter Hämostase schneidet nach Angaben der Autoren in Relation zu den 72 Prozent bei Antidot-Behandlung (Prothrombinkomplex) nach Vitamin-K-Antagonisten gut ab. Limitiert werde die Aussagekraft der Studie allerdings durch das Fehlen einer randomisierten placebo-kontrollierten Vergleichsgruppe. Eine randomisierte vom Hersteller finanzierte Phase-4-Studie ist daher gerade begonnen worden.

Finanzierung: Portola Pharmaceuticals