Antidepressive Psychotherapie wirkt bei jungen Erwachsenen am besten

  • JAMA Psychiatry

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Wie gut eine Psychotherapie bei Patienten mit Depressionen wirkt, ist offenbar auch abhängig vom Alter. Einer Meta-Analyse von – allerdings heterogenen und „suboptimalen“ – Studien zufolge profitieren jüngere Erwachsene am ehesten, während der Effekt bei jüngeren und älteren Personen weniger stark ist.

Hintergrund

Es ist unklar, ob Psychotherapien bei Depressionen in allen Altersstufen gleichermaßen wirksam sind, oder ob es Unterschiede gibt.

Design

Systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse zum Vergleich der Wirksamkeit von Psychotherapien bei Patienten mit Depressionen verschiedener Altersstufen. Ausgewertet wurden die in 4 Literaturdatenbanken (PubMed, PsychINFO, Embase, und Cochrane) erfassten kontrollierten Studien.

Ergebnisse

  • Unter 16.756 Einträgen wurden 2608 Volltext-Artikel gescreent. Es fanden sich 366 Studien mit 36.702 Patienten, einschließlich 13 Studien (3,6 %) bei Kindern unter 14 Jahren, 24 Studien (6,6 %) mit Heranwachsenden zwischen 13 und 18 Jahren, 19 Studien (5,2 %) mit jungen Erwachsenen zwischen 18 und 24 Jahren. Der Großteil der Studien war mit Erwachsenen im mittleren Alter von 24 bis 55 Jahren durchgeführt worden (66,1 %), weitere 15,8 % in der Altersklasse von 55 bis 75 Jahren und 2,7 % bei Personen ab 75 Jahren.
  • Die Wirksamkeit der Therapien wurde anhand der Effektgrößen (Hedges g) verglichen. Ein Wert von 0,2 steht hier für einen kleinen Effekt, 0,5 für einen mittleren und 0,8 für einen größeren Effekt. Für die verschiedenen Altersgruppen errechneten die Forscher folgende Effektgrößen:
    • Durchschnitt über alle Gruppen: g = 0,75 (95%-Konfidenzintervall 0,67 – 0,82)
    • Kinder: g = 0,35 (95%-KI 0,15 – 0,55)
    • Heranwachsende: g = 0,55 (95%-KI 0,34 – 0,75)
    • Jüngere Erwachsene: g = 0,98 (95%-KI 0,79 – 1,16)
    • Mittelalte Erwachsene: g = 0,77 (95%-KI 0,67 – 0,87)
    • Ältere Erwachsene: g = 0,66 (95%-KI 0,51 – 0,82)
    • Sehr alte Erwachsene: g = 0,97 (95%-KI 0,42 – 1,52)
  • Statistisch signifikant waren die Unterschiede zwischen Kindern und Heranwachsenden im Vergleich zu Erwachsenen mittleren Alters, zwischen jungen Erwachsenen und Erwachsenen mittleren Alters, aber nicht zwischen alten und sehr alten Erwachsenen.

Bedeutung

Auf den ersten Blick scheinen jüngere Erwachsene am stärksten von Psychotherapien gegen Depressionen zu profitieren, jüngere und ältere Personen dagegen weniger stark. Die Autoren schreiben jedoch, dass ihre Ergebnisse mit Vorsicht zu genießen seien, da die Qualität der meisten Studien „suboptimal“ gewesen sei und die Studien außerdem sehr heterogen. Die Schlussfolgerung lautet dennoch, dass man Psychotherapien bei Kindern und Heranwachsenden verbessern müsse.

Finanzierung: Keine.