Antidepressiva während der Schwangerschaft erhöhen das Risiko für geistige Behinderung des Kindes nicht


  • Susanne Kressenstein
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaft: Die Einnahme von Antidepressiva während der Schwangerschaft hat keinen Einfluss auf die intellektuelle Entwicklung des Kindes.

Hauptergebnisse: Antidepressiva sind plazentagängig. Immer wieder wurde darüber diskutiert, ob diese Medikamente einen Einfluss auf die Entwicklung ungeborener Kinder haben. Zumindest was die intellektuelle Entwicklung betrifft, scheint eine Einnahme von Antidepressiva während der Schwangerschaft keinen Einfluss auf die Kinder zu haben.

856 von knapp 180.000 Kindern kamen mit geistigen Behinderungen auf die Welt. Das relative Risiko von Kindern, deren Mütter Antidepressiva eingenommen hatten, lag bei 0,9 Prozent (37 von 4.000 Kindern). Bei Kindern, die während der Schwangerschaft keinen Kontakt mit Antidepressiva hatten, lag dieser Prozentsatz mit 0,5 Prozent etwas niedriger (819 von 23.551 Kindern). Den Studienautoren zufolge sind diese Ergebnisse jedoch nach Berücksichtigung von Faktoren wie Bildungsabschluss, Alter und psychiatrischen Erkrankungen der Eltern nicht mehr signifikant.

Design: Knapp 180.000 in Schweden geborene Kinder, die zwischen Januar 2006 und Dezember 2007 auf die Welt gekommen waren, nahmen an dieser Kohortenstudie teil. Die Kinder wurden in zwei Gruppen eingeteilt: In die erste kamen alle Kinder, deren Mütter während der gesamten Schwangerschaft keine Antidepressiva eingenommen hatten. Zur Gruppe 2 zählten Kinder deren Mütter ab dem Zeitpunkt der vermuteten Konzeption mindestens zwei Mal Antidepressiva eingenommen hatten. Anschließend wurde bis zum Jahr 2014 untersucht, ob der Anteil an geistiger Behinderung der Kinder in beiden Gruppen unterschiedlich war. Als verminderte Intelligenz wurde ein IQ von unter 70 definiert.

Klinische Bedeutung: Auch wenn diese Studie nahe legt, dass Antidepressiva in der Schwangerschaft keinen Einfluss auf die geistige Entwicklung der Kinder haben, ist doch Vorsicht angebracht. Verschiedene Beobachtungsstudien sehen einen Zusammenhang zwischen diversen Antidepressiva und dem Entstehen von Autismus, einer verkürzten Schwangerschaftsdauer und einem niedrigeren Geburtsgewicht. Bemerkenswert ist, dass im Rahmen der vorliegenden Studie knapp 40 Prozent der Frauen, die Antidepressiva einnahmen, gar keine psychiatrische Diagnose hatten.