Antibiotika: Weiterhin Wissenslücken bei Fachpersonal

  • European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC)

  • von Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Medizinische Fachkräfte in Europa wissen einer neuen Befragung zufolge noch zu wenig über Probleme durch den Einsatz von Antibiotika. Das teilte das Europäische Zentrum für Krankheitsprävention und -kontrolle (ECDC) am Montag anlässlich des Europäischen Tags zur Sensibilisierung für Antibiotika mit.

Deutschland rangiert auf Platz 5

Generell seien das Wissen und das Bewusstsein der Fachkräfte für die Probleme im Zusammenhang mit Antibiotika-Resistenzen unter Ärzten und dem weiteren Fachpersonal hoch, erklärt die Behörde. Abhängig von Land und Beruf hätten sich in der Befragung aber erhebliche Unterschiede gezeigt. Das größte Problembewusstsein zeigten demnach die Fachkräfte in Irland, Kroatien und Frankreich. Deutschland lag indessen im oberen Mittelfeld. Am schlechtesten schnitten Lettland und Estland ab.

Mehr als 18 000 Befragte

Das ECDC befragte für die Untersuchung mehr als 18.000 Ärzte und Ärztinnen, Apothekerinnen und Apotheker sowie Pflegekräfte in verschiedenen europäischen Ländern. Der überwiegende Teil der Befragten (97 Prozent) konnte korrekt angeben, dass Antibiotika nicht gegen Erkältungen und Grippe wirken. Ein Viertel von ihnen wusste dem Bericht zufolge hingegen nicht, dass eine Antibiotika-Behandlung das Risiko für Resistenzen erhöht.

Auch wenn ihnen diese Gefahr bekannt sei, entschieden sich Mediziner oft für eine Antibiotika-Gabe. Hauptgründe dafür seien, dass es keine ausreichenden Tests gebe, um die Ursache von Erkrankungen schnell und sicher festzustellen. Einige Ärzte berichten zudem, dass sie sowohl aus Zeitmangel oder aber auf drängenden Wunsch der Patienten Antibiotika verabreichen.

Zugang zu Informationen beschränkt

25 Prozent der Befragten gaben an, dass sie keinen einfachen Zugang zu Leitlinien zum Management von Infektionserkrankungen und 33 Prozent keinen einfachen Zugang zu Informationsmaterialien zum umsichtigen Einsatz von Antibiotika und Antibiotikaresistenz haben. Mehr Investitionen in die Erstellung und Verbreitung von lokal angepassten Leitlinien, Ressourcen und Webtools seien demnach für das Gesundheitspersonal erforderlich, heißt es im EU-Bericht.

Mehr Anstrengungen notwendig

"Die Umfrage zeigt zwar, dass das Gesamtwissen über Resistenzen gut ist, unterstreicht aber auch die Notwendigkeit, mehr Anstrengungen zu unternehmen, um das Wissen in die Praxis umzusetzen", sagt Vytenis Andriukaitis, EU-Kommissar für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. "Als Arzt weiß ich, dass wir eine große Verantwortung haben, bei der Bekämpfung der Antibiotikaresistenz an vorderster Front zu stehen. Und wir sollten keine Mühe scheuen, unsere Kenntnisse und Praktiken ständig zu verbessern."