Antibiotika-Resistenzen: Kombination und Reihenfolge der Medikation sind entscheidend

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  • von Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Um zu verhindern, dass Bakterien Resistenzen entwickeln, spielen offenbar die Kombination und Reihenfolge, in der Antibiotika verabreicht werden, eine große Rolle. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Wissenschaftlern der Universität Kiel, die jüngst im Fachmagazin eLife publiziert wurde.

Prinzip der kollateralen Sensitivität

Dabei nutzte die Arbeitsgruppe um Dr. Camilo Barbosa das Prinzip der sogenannten kollateralen Sensitivität. Diese beschreibt das Auftreten von vorteilhaften, evolutionären „Kosten“ für die Entwicklung einer Antibiotikaresistenz, die immer dann entstehen, wenn die Evolution der Resistenz gegen einen Wirkstoff den Krankheitserreger gleichzeitig hochempfindlich gegen ein zweites Medikament werden lässt, heißt es in einer Mitteilung der Universität. Um herauszufinden, inwieweit sich diese evolutionäre Strategie auch therapeutisch nutzen lasse, haben die Wissenschaftler eine Reihe von Laborexperimenten mit dem Bakterium Pseudomonas aeruginosa durchgeführt.

Die Reihenfolge ist entscheidend

„Die Anpassungsfähigkeit des Krankheitskeims war insbesondere dann stark gehemmt, wenn der Medikamentenwechsel von einem Aminoglykosid hin zu einem Betalactam, einem Penicillin-ähnlichen Wirkstoff erfolgte,“ erläutert Barbosa. In diesem Fall konnten sich die Keime nicht anpassen und starben durch die kombinierte Wirkstoffgabe eher ab. Bei anderen Wirkstoffkombinationen und -wechseln gelang es den Krankheitserregern hingegen, zum Teil multiple Resistenzen auszubilden.

Grundlage für künftige Antibiotikatherapien

Die Forschungsergebnisse könnten in Zukunft die Entwicklung neuartiger und nachhaltiger Antibiotika-Therapien erlauben, so das Fazit der Wissenschaftler. Die Effekte des Wechsels bestimmter Wirkstoffklassen und die Auswirkung der evolutionären Kosten auf die Resistenzentwicklung belegen eindrucksvoll, wie wichtig es sei, evolutionäre Prinzipien bei der Ausarbeitung neuer, nachhaltiger Therapieansätze zu berücksichtigen.