Antibiotika-Prophylaxe verringert Infektionen nach Zangen- oder Saugglockengeburt um fast 50 Prozent

  • The Lancet

  • von Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Die Verabreichung einer Antibiotika-Prophylaxe nach einer Geburt mit Saugglocke oder Zange könnte fast die Hälfte der mütterlichen Infektionen verhindern. Zu diesem Schluss kommen britische Wissenschaftler in einer randomisierten Studie, die jüngst in „The Lancet“ veröffentlicht wurde. Sie fordern dazu auf, die bestehenden Richtlinien der Weldgesundheitsorganisation (WHO) sowie nationaler Fachgesellschaften anzupassen.

 Hintergrund

Im Jahr 2016 starben nach WHO-Schätzungen 19 .500 Frauen an schwangerschaftsbedingten Infektionen. Risikofaktoren für eine mütterliche Infektion stellen sowohl der Kaiserschnitt als auch Geburten mit Zange oder Saugglocke dar. Die Inzidenz für letztere wird in Studien mit 0,7 bis 16 % angegeben. Doch während die Antibiotika-Prophylaxe nach einem Kaiserschnitt standardmäßig eingesetzt wird, gibt es aufgrund fehlender Wirksamkeitsnachweise keine entsprechende Empfehlung für Frauen nach einer vaginal-operativen Entbindung.

Design

Um den Nutzen einer Antibiotika-Prophylaxe zu prüfen, wurden insgesamt 3420 Frauen an 27 Geburtskliniken in Großbritannien innerhalb von sechs Stunden nach vaginal-operativer Entbindung entweder auf Amoxicillin und Clavulansäure oder Placebo (Kochsalzlösung) randomisiert. Bei etwa zwei Drittel der Geburten kam eine Zange,bei einem Drittel eine Saugglocke zum Einsatz. Bei 89 % der Frauen wurde eine Episiotomie durchgeführt.

Ergebnisse

Von den Frauen mit einmaliger prophylaktischer Antibiotikagabe bekamen 11 % (180 von 1619 Frauen) nach der vaginal-operativen Entbindung nach der Geburt eine Infektion, in der Placebo-Gruppe waren es 19 % (306 von 1606 Frauen). Damit verringerte sich nach Antibiotika-Prophylaxe das Infektionsrisiko um 42 Prozent. Auch eine Sepsis trat bei Frauen unter Antibiotika seltener auf als unter Placebo (0,6 versus 1,5 Prozent). Zudem kam es in der Antibiotika-Gruppe seltener zu perinealen Wundinfektionen und perinealen Schmerzen.

Klinische Bedeutung

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Zahl der Infektionen nach einer vaginal-operativen Entbindung durch eine einmalige Antibiotikagabe um fast die Hälfte reduziert werden könnte“, sagte Studienleiter Professor Marian Knight von der University of Oxford in einer Mitteilung. Dies verdeutliche die dringende Notwendigkeit, die aktuellen WHO-Antibiotikarichtlinien und Leitlinien anderer Organisationen zu ändern, die bislang keine routinemäßige Antibiotika-Prophylaxe bei Geburten mit Zange oder Saugglocke empfehlen.

Finanzierung: NIHR Health Technology Assessment Programm.