Antibiotika: Langzeitanwendung steht in Verbindung mit einem erhöhten Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall bei Frauen

  • European Heart Journal

  • von Dr. Carola Krause
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Frauen im mittleren und späten Lebensalter, die Antibiotika über einen längeren Zeitraum einnehmen, haben ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkte oder Schlaganfälle. Dies geht aus Studien hervor, die bei fast 36.500 Frauen durchgeführt wurden. So ist es in Anbetracht der potenziell kumulativen Nebenwirkungen umso besser, je kürzer die Einnahme von Antibiotika ist.

Hintergrund

Forscher untersuchten Ergebnisse von 36.429 Frauen, die an der Nurses Health Study teilgenommen haben. Diese Studie wird seit 1976 in den USA durchgeführt.

Die aktuellen Untersuchungen beziehen Daten aus den Jahren 2004 bis Juni 2012 ein.

Dabei waren die befragten Frauen im Jahr 2004 sechzig Jahre oder älter. Sie wurden nach ihrer Verwendung von Antibiotika in jungen Jahren (20-39), mittlerem Alter (40-59) oder älter (ab 60) befragt.

Die Forscher kategorisierten die Frauen in vier Gruppen: Diejenigen, die noch nie Antibiotika genommen hatten, die, die sie für Zeiträume von weniger als 15 Tagen, 15 Tagen bis zwei Monaten oder für zwei Monate oder länger eingenommen hatten.

Ergebnisse

  • Während einer durchschnittlichen Nachbeobachtungszeit von fast acht Jahren, in der die Frauen weiterhin alle zwei Jahre Fragebögen ausfüllten, erkrankten 1056 Teilnehmer an Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
  • Die häufigsten Gründe für die Verwendung von Antibiotika waren Infektionen der Atemwege, Harnwegsinfektionen und Zahnprobleme.
  • Im Detail konnte gezeigt werden, dass Frauen ab 60 Jahren, die Antibiotika für zwei Monate oder mehr eingenommen hatten, das größte Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen hatten. Zudem hatte auch eine lange andauernde Antibiotikaanwendung ein erhöhtes Risiko bei Frauen mittleren Alters (40-59 Jahre) zu Folge. Die Forscher konnten kein erhöhtes Risiko für den Einsatz von Antibiotika bei jüngeren Erwachsenen zwischen 20 und 39 Jahren feststellen.

Diskussion

Die Forscher spekulieren, dass ein möglicher Grund für die erhöhte Herz-Kreislauf-Erkrankungsrate bei den befragten Frauen im Zusammenhang mit einer Antibiotika induzierten Veränderung der Darm-Mikrobiota steht. So könnten Antibiotika probiotische Darmbakterien schädigen und die Verbreitung von mikrobiellen Krankheitserregern fördern.

So konnten bereits frühere Studien einen Zusammenhang zwischen den Veränderungen der mikrobiotischen Umgebung des Darms und Entzündungen und Verengung der Blutgefäße, Schlaganfall und Herzkrankheiten herstellen.

Schlussfolgerung

Die im European Heart Journal veröffentlichten Daten der größten prospektiven Studie zeigen einen altersabhängigen Zusammenhang zwischen Antibiotikaeinsatz und dem Risiko von Herzkrankheiten und Schlaganfall bei Frauen. Die Studie legt nahe, dass Antibiotika nur dann verwendet werden sollten, wenn sie unbedingt benötigt werden. In Anbetracht der potenziell kumulativen Nebenwirkungen ist es umso besser, je kürzer die Einnahme von Antibiotika ist.