Ansteigendes Demenzrisiko unter Androgendeprivation bei Patienten mit Prostatakarzinom

  • JAMA Network Open

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Patienten mit einem Prostatakarzinom, die eine Androgendeprivation erhielten, hatten ein moderat erhöhtes Risiko, innerhalb von 8 Jahren an Alzheimer oder anderen Demenzen zu erkranken.

Hintergrund

Laut den Autoren ist es unklar, ob es bei Männern mit Prostatakrebs einen Zusammenhang gibt zwischen einer Androgen-Deprivationstherapie (ADT) und dem Risiko, an einer Demenz zu erkranken.

Design

Retrospektive Kohortenstudie mit den Daten von 154.089 Männern (Durchschnittsalter ca. 75 Jahre), die in der Datenbank SEER des US-Nationalen Krebsinstituts erfasst und zwischen den Jahren 1996 und 2003 mit Prostatakrebs diagnostiziert wurden. Jene, die binnen 2 Jahren nach der Diagnose eine ADT erhalten hatten, wurden bezüglich des Alzheimer- und Demenzrisikos mit Männern ohne ADT verglichen.

Ergebnisse

  • Nach einer mittleren Nachverfolgungszeit von 8,3 Jahren waren unter den 62.330 Männern mit einer ADT 13,1 % mit Morbus Alzheimer diagnostiziert worden; unter den 91.759 ohne ADT waren es 9,4 %. Die Differenz von 3,7 Prozentpunkten war bei einem 95%-Konfidenzintervall von 3,3 – 3,9 % signifikant (P
  • Eine Demenz wurde bei 21,6 der Männer mit ADT diagnostiziert gegenüber 15,8 % der Männer ohne ADT. Die 5,8 Prozentpunkte Differenz entsprachen einem HR von 1,20 (95%-KI 1,17 – 1,23).
  • Die Autoren stellten eine Dosis-Wirkungsbeziehung fest: Patienten mit mehr als 8 Dosen der ADT hatten ein signifikant höheres Risiko, an Alzheimer und anderen Demenzen zu erkranken.
  • Die Zahl der behandelten Patienten, unter denen es zu einem negativen Ereignis kam (Number needed to harm), betrug bezüglich der Alzheimer-Krankheit 18 und bezüglich Demenzen insgesamt 10.

Klinische Bedeutung

Die Androgen-Deprivationstherapie zur Therapie eines Prostatakarzinoms ist mit einem moderaten Anstieg des Risikos für Alzheimer und andere Demenzen verbunden. Die Forscher raten daher dazu, Patienten vor Beginn einer ADT gemäß ihres Demenzrisikos zu stratifizieren und die möglichen Folgen der Therapie gegenüber dem Nutzen im Gespräch mit den Patienten sorgfältig abzuwägen.

Finanzierung: Agency for Healthcare and Research Quality.