Anhaltender Effekt: Das erste Kind hilft Frauen längerfristig, nicht zu rauchen

  • Economics and Human Biology

  • von Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Während es in Deutschland nur 3-7 Prozent der Raucher, die aufhören möchten zu rauchen, für längere Zeit auch schaffen, liegt die Rate der Frauen mit Rauchstopp im zweiten und dritten Trimester einer Schwangerschaft bei circa 75 Prozent. Nach der Geburt des Kindes steigt die Rate der Raucherinnen zwar wieder an, sie liegt aber einer großen Längsschnittuntersuchung zufolge noch bis zu 6 Jahren unter dem Level vor der ersten Schwangerschaft. Bei werdenden Vätern ist ein solcher Trend nicht eindeutig erkennbar.

Hintergrund
Die Prävalenz des Rauchens liegt in Deutschland bei 39 Prozent für erwachsene Frauen und bei 42 Prozent für Männer. Die Prävalenz bei Eltern liegt um circa 4 Prozent unter der Prävalenz kinderloser Erwachsener. Bislang gab es wenig Daten zur Fragen, wie hoch der Anteil der werdenden Eltern ist, die erfolgreich mit dem Rauchen aufhören, und wie lange Eltern nikotinabstinent bleiben.

Design

  • Repräsentative Längsschnittanalyse von sozioökonomischen Fragestellungen in privaten Haushalten Deutschlands (Socio-economic Panel [SOEPv29])
  • Beginn der Studie: 1999
  • Beobachtungszeit bei Datenanalyse: bis zu 20 Jahren
  • Teilnehmer: 16.400 Frauen und 15.800 Männer, entsprechend 110.000 Personenjahren
  • Erhebung zum Rauchverhalten: 60 Prozent der in den Personenjahren berücksichtigten Teilnehmer hatten über ihr Rauchverhalten berichtet, durchschnittlich bei 3,4 Befragungen
  • Alter der Befragten: 17–64 Jahre

Hauptergebnisse
Die Wahrscheinlichkeit, dass Frauen rauchen, sinkt bereits in der Zeit, in der sie sich ein Kind wünschen, also schon einige Jahre vor der Schwangerschaft. Der deutlichste Rückgang ist in der Zeit von 12 Monaten vor der Geburt des ersten Kindes bis zu 12 Monate danach: Die Rate der Raucherinnen geht von 39 Prozent um 20-24 Prozentpunkte zurück, eine relative Reduktion um 52-60 Prozent. Im zweiten und dritten Trimester der Schwangerschaft ist ein Rauchstopp bei 75 Prozent der vorherigen Raucherinnen am ausgeprägtesten.

Nach dem 1. Kindergeburtstag und bis zum 7. Lebensjahr des Kindes steigt die Rate der Raucherinnen wieder an: von circa 30 auf 36 Prozent.

Ob eine Geburt auch das Rauchverhalten von Vätern beeinflusst, konnte die Studie dagegen nicht eindeutig belegen. In jedem Fall seien die Effekte für Männer deutlich geringer, so die Autoren.

Klinische Bedeutung
Der Effekt des Elternwerdens auf das Rauchverhalten ist nach Interpretation der Studienautoren in Deutschland bei Frauen ausgeprägter und länger anhaltend als erwartet. Und dennoch, so die Forscher: 15-16 Prozent aller werdenden Mütter in Deutschland rauchen. 

Finanzierung: öffentliche Mittel