Angsttherapie: Dopamin unterstützt Extinktionstherapie und hilft, Angstreize aus dem Gedächtnis zu löschen

  • Gerlicher AMV & al.
  • Nat Commun
  • 16.10.2018

  • von Dr. Stefanie Reinberger
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaft

Damit das Gehirn Angstreize dauerhaft vergessen kann, muss es nicht nur positive Erfahrungen mit der beängstigenden Situation machen. Es muss auch immer wieder an die positive Erfahrung erinnert werden. Jetzt zeigt sich, dass auch spontanes Reaktivieren von Gedächtnisinhalten den Lerneffekt verbessert. Dopamin verstärkt diesen Effekt noch.

Hintergrund

Traumatische Erfahrungen können sich tief ins Gedächtnis eingraben und in der Folge zu Belastungsstörungen führen. Um diese zu vermeiden, beziehungsweise Angstreaktionen aufgrund eines angstauslösenden Reizes abzubauen, muss das Gehirn umlernen. Es gilt, den Angstreiz wieder zu „vergessen“. In der Extinktionstherapie setzen sich Betroffene beängstigenden Situation immer wieder aus, um dabei eine neue, positive Erfahrung zu machen. So lernt das Gehirn, dass vom Angstreiz keine reale Gefahr ausgeht. Allerdings muss dieses neue Wissen regelrecht geübt werden. Das heißt, Betroffene müssen immer wieder die neue, positive Erfahrung mit dem Angstreiz machen, damit sich die alte Information nicht wieder in den Vordergrund schiebt und die Betoffenen in ihre alte Angstreaktion zurückfallen. Die vorliegende Studie untersucht, wie sich positive Lernerfahrung verstärken lässt, um die Angsttherapie zu verbessern.

Design

40 männliche Probanden wurden auf einen Angststimulus konditioniert. Die Studienteilnehmer bekamen geometrische Symbole gezeigt, die entweder mit einem schmerzhaften Reiz verbunden waren oder nicht. In der Extinktionsphase war keines der Symbole mit Schmerz verbunden. Die Angstreaktion wurde über die elektrodermale Aktivität der Haut ermittelt. Jeweils 10, 45 und 90 Minuten nach abgeschlossener Extinktion, erfolgten fMRI-Scans, um Gehirnaktivitäten zu erfassen, die im Zusammenhang mit spontanem Reaktivieren von Gedächtnisinhalten in Verbindung stehen.

Am zweiten Tag bekam die Hälfte der Probanden L-Dopa, die andere Hälfte ein Placebo-Präparat.

Hauptergebnisse

  • Je häufiger die Probanden Gehirnaktivitäten zeigten, die auf spontanes Reaktivieren von Gedächtnisinhalten schließen lassen, desto größer war der Erfolg des Extinktionslernens. Die Stressreaktion beim Erscheinen des geometrischen Symbols, das vormals mit Schmerz verbunden war, fielen entsprechend geringer aus.

  • Das Auftreten von Gehirnaktivität, im Zusammenhang mit spontanem Reaktivieren von Gedächtnisinhalten, erlaubt eine Vorhersage über erfolgreichere Extinktion.

  • Die Gabe von L-Dopa verstärkte diesen Effekt gegenüber der Placebo-Gruppe.

  • Die Wirkung von L-Dopa lässt sich damit erklären, dass die Häufigkeit der Reaktivierungsmuster anstieg.

Klinische Bedeutung

Die Erkenntnisse dieser Studie erlaubt nicht nur neue Einsichten in die Mechanismen von Gedächtnisbildung und Extinktion. Sie legen auch den Grundstein dafür, verbesserte Methoden für die Traumatherapie zu entwickeln.

Finanzierung

keine Angabe