Angststörungen bei COPD-Patienten erfolgreich mit kognitiver Verhaltenstherapie gelindert


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaften

Eine kognitive Verhaltenstherapie durch speziell geschulte Krankenschwestern kann bei Patienten mit einer COPD Angststörungen in klinisch bedeutsamem Umfang lindern. Den Kosten von ca. 200 Euro, die dadurch mit ambulanten Patienten an einer englischen Klinik verursacht wurden, standen Einsparungen in Höhe von 1300 Euro gegenüber.

Hintergrund

Menschen mit einer chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) leiden häufig auch an Angststörungen. Die Fragestellung in dieser Studie lautete, ob dieses Problem möglicherweise durch eine, von speziell geschulten Krankenschwestern (respiratory nurses) angebotene kognitive Verhaltenstherapie gelindert werden könnten.

Design

279 Patienten mit einer gesicherten COPD unterschiedlicher Schweregrade, die auf der Hospital Anxiety and Depression (HADS) Unterskala für Angststörungen einen Wert von mindestens 8 hatten, nahmen an der Studie teil. Sie erhielten randomisiert entweder eine speziell konzipierte Verhaltenstherapie mit 2 bis 6 Sitzungen á 30 Minuten im Abstand von 14 Tagen, daheim oder in der Klinik und in Absprache mit den Patienten, oder Broschüren zur Selbsthilfe. Zwei der 4 Krankenschwestern hatten ein Diplom in kognitiver Verhaltenstherapie erhalten, die anderen beiden nur 3-tägige Kurse absolviert. Gemessen wurde die Veränderung zwischen den beiden Gruppen nach 3 Monaten im Vergleich zum Studienbeginn. Außerdem berechneten die Wissenschaftler Kosten und Nutzen der Intervention.

Hauptergebnisse

  • Die Angstwerte verbesserten sich unter der Verhaltenstherapie von anfänglich 12,3 Punkten auf 8,8 Punkte nach 3 Monaten und blieben von da mit 8,6 bzw. 8,7 Punkten bis 6 bzw. 12 Monate stabil.
  • Patienten, die eine Broschüre zur Selbsthilfe bekommen hatten, verbesserten sich von anfänglich 12,0 Punkten auf 10,0 Punkte nach 3 Monaten und blieben mit 9,7 bzw. 10,2 Punkten bis 6 bzw. Monate ebenfalls stabil.
  • Mit durchschnittlich 4 Sitzungen Verhaltenstherapie verbesserte sich die Interventionsgruppe nach 3 Monaten um 1,52 Punkte stärker als die Kontrollgruppe (95%-Konfidenzintervall 0,49 – 2,54; p=0,003). Nach 6 Monaten wurde die Signifikanz mit einer Differenz von 1,05 Punkten knapp verfehlt (p=0,05), nach 6 Monaten wurde sie mit 1,43 Punkten Differenz wiederum erreicht (p=0,016).
  • Als sekundäres Studienziel wurden Depressionen anhand einer weiteren HADS-Unterskala bestimmt. Hier ergab sich nach 3 und nach 6 Monaten eine statistisch signifikante Überlegenheit für die Verhaltenstherapie, die allerdings nicht als klinisch relevant gewertet wurde.
  • Die Kosten der Verhaltenstherapie lagen bei umgerechnet 200 Euro / Patient. Diese Gruppe musste seltener in die Klinik oder in die Notfallambulanz (0,6 versus 1,01 bzw. 0,37 versus 1,01 Ereignisse), wodurch die Patienten im Mittel etwa 1300 Euro weniger an Kosten verursachten.

Klinische Bedeutung

Als minimal klinisch wichtige Differenz gilt beim HADS-Anxiety ein Wert von 1,32 Punkten. Dass dieses Ziel an 2 der 3 Beobachtungspunkte überschritten wurde, spricht dafür, die Wirksamkeit und das Kosten-Nutzen-Verhältnis dieser Intervention auch in anderen Settings als an englischen Krankenhäusern zu erproben.

Finanzierung: National Institute for Health Research (NIHR).