Angepasste Tai-Chi-Übungen könnten Stürze im Alter verhindern


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Senioren, die eine auf die Reduktion von Stürzen hin angepasste Form von Tai-Chi praktizieren, erleiden erheblich weniger Stürze als Vergleichsgruppen mit nicht-spezifischen Übungen.

Hintergrund

Stürze im Alter sind besonders häufig bei den Bewohnern von Pflegeheimen, bei psychischen Veränderungen, Demenz und/oder Parkinsonsyndrom. Allerdings stürzt jährlich auch nahezu ein Drittel der Menschen über 65, die noch zu Hause leben. Ein der chinesischen Kampfkunst Tai Chi (Schattenboxen) entlehntes Bewegungsprogramm konnte das Risiko für Stürze und Verletzungen bei Parkinson-Patienten nachweislich senken.

Design

An dieser dreiarmigen, randomisierten klinischen Studie mit Paralleldesign haben im US-Bundessstaat Oregon 670 zu Hause lebende Senioren im mittleren Alter von 77,7 Jahren teilgenommen. Verglichen wurden ein auf therapeutische Zwecke zugeschnittenes Tai-Chi-Übungsprogramm (Tai Ji Quan: Moving for Better Balance, TJQMBB), ein multimodales Übungsprogramm (MMÜ) unter Einbeziehung von Balance, Kraft und Beweglichkeit sowie Dehnübungen. Die Interventionen wurden über 24 Wochen hinweg 2 Mal pro Woche als einstündige Einheiten angeboten. Gemessen wurde die Inzidenz von Stürzen nach 6 Monaten.

Hauptergebnisse

  • In der Tai-Chi-Gruppe kam es zu 152 Stürzen, unter den MMÜ zu 218 Stürzen, und mit den Dehnungsübungen wurden 363 Stürze verzeichnet (bei 224, 223 und 223 Teilnehmern). Das entspricht einer Reduktion in der Tai-Chi-Gruppe gegenüber den MMÜ um 31 % (Inzidenzratenverhältnis IRR 0,69, 95%-Konfidenzintervall 0,52 - 0,94, P=0,01).
  • Das Verhältnis der Inzidenzraten im Vergleich zur Gruppe mit den Dehnübungen betrug für Tai-Chi 0,42 bei einem 95%-KI von 0,31 - 0,56 (P

Klinische Bedeutung

Die Studie bestätigt die überlegene Wirksamkeit eines Tai-Chi-basierten Übungsprogrammes zur Verhinderung von Stürzen bei selbstständig lebenden Senioren im Vergleich zu zwei weiteren „Bewegungstherapien“. Allerdings war die Sturzhäufigkeit über 6 Monate selbst in der Tai-Chi-Gruppe höher (152 Ereignisse durch 85 von 224 Individuen), als für diese Bevölkerungsgruppe gemeinhin angenommen wird. Ein Vergleich zur Sturzhäufigkeit von Senioren, die an gar keinem Trainingsprogramm teilgenommen hatten, wurde in der aktuellen Studie nicht vorgenommen. Dennoch wurde das TJQMBB in den USA bereits mehrfach durch Gesundheitsorganisationen und Einrichtungen der Senioren-Fürsorge umgesetzt und wird – wie die Autoren anmerken - als eines der effektivsten Krankheitspräventionsprogramme des Older Americans Act gelistet. Sie hoffen nun, dass diese Vorzüge eine landesweite Umsetzung ermöglichen werden.

Finanzierung: National Institute on Aging.