Anfragen für Psychotherapie bei Kindern und Jugendlichen um mehr als die Hälfte gestiegen

  • Deutsche Psychotherapeutenvereinigung (DPtV)

  • von Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Die Nachfrage für Psychotherapie bei Kindern- und Jugendlichen hat durch die COVID-Pandemie offenbar zugenommen. In einer Blitzumfrage der Deutschen Psychotherapeutenvereinigung (DPtV) gaben die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten an, dass im Vergleich zum Vorjahreszeitraum die Patientenanfragen 2021 in den Praxen um durchschnittlich 60 Prozent gestiegen sind. Die DPtV fordert daher ein soziales Aufbauprogramm für die Zeit nach Corona.

  Dazu verglichen die insgesamt 685 teilnehmenden Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten die Anfragen einer aktuellen Januar-Woche mit dem gleichen Zeitraum im Jahr 2020. Während im vergangenen Jahr im Schnitt 3,7 Patientenanfragen pro Woche gestellt wurden, waren es 2021 bereits 5,9 Anfragen, berichtet der DPtV. Diese Zunahme falle noch deutlich höher aus als bei den ebenfalls befragten Psychotherapeuten für Erwachsene, bei denen die Zahl der wöchentlichen Patientenanfragen von 5,2 im Januar 2020 auf aktuell 7,2 im Januar 2021 gestiegen ist.  

Schnelles Erstgespräch trotz hoher Nachfrage

Die Zahlen sind eindeutig: Die psychische Belastung der Kinder und Jugendlichen hat zugenommen“, sagt DPtV -Bundesvorsitzender Gebhard Hentschel. Corona werde bei der heranwachsenden Generation Spuren hinterlassen, wie auch die aktuellen Ergebnisse der COSPY-Studie zeigen. Danach weist fast jedes dritte Kind ein Jahr nach Beginn der Pandemie psychische Auffälligkeiten auf. Trotzdem könne laut DPtV 25 Prozent der Kinder und Jugendlichen innerhalb von zwei Wochen und mehr als der Hälfte innerhalb eines Monats ein Erstgespräch angeboten werden.

Die Psychotherapeutenvereinigung fordert dennoch schon jetzt die Zeit nach der Pandemie zu planen und Geld für Hilfs- und Unterstützungsangebote bereitzustellen. „Wir brauchen ein Förderprogramm für psychische Gesundheit und soziales Miteinander“, so Hentschel.

Sozialer Austausch wichtiger als Schulstoff

„Der Fokus dürfe nicht nur auf dem versäumten Schulstoff liegen, heißt es von Seiten der DPtV. Kinder müssen psychisch gestärkt werden und ausgiebig Zeit für Spiel, Sport, Kultur und soziale Interaktion erhalten, um die Monate eingeschränkter Kontakte auszugleichen. „Die Psychologen der britischen Initiative ,PlayFirstUK‘ warnen ebenfalls davor, die Schüler nach der Pandemie zusätzlich mit ,Nachhol-Aktionen‘ wie verkürzten Ferien oder verlängerten Schultagen zu belasten. Kinder können insbesondere dann effektiv lernen, wenn der soziale Austausch stimmt“, resümiert Hentschel.