Anastrozol halbiert das Brustkrebsrisiko für gefährdete postmenopausale Frauen auf Dauer


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Postmenopausale Frauen mit hohem Risiko für Brustkrebs profitieren bis zu 12 Jahren von der Einnahme des Aromatase-Inhibitors Anastrozol. Das Risiko für Neuerkrankungen wurde annähernd halbiert, die Brustkrebssterblichkeit war aber nicht signifikant verschieden von der unter Placebo.

Hintergrund

Die therapeutische Prävention von Brustkrebs bei Frauen mit hohem Risiko wurde schon frühzeitig für selektive Östrogenrezeptor-Modulatoren wie Tamoxifen und Raloxifen nachgewiesen. Über kürzere Zeiträume ist dies auch mit den Aromatase-Inhibitoren Anastrozol und Exemestan gelungen; hier werden nun die Resultate einer mehr als 10-jährigen Nachverfolgung für Anastrozol berichtet.

Design

Für die randomisierte, doppelblinde, Placebo-kontrollierte Studie IBIS-II (International Breast Cancer Intervention Study II) waren zwischen den Jahren 2003 bis einschließlich 2012 exakt 3864 Frauen ohne Brustkrebs, aber mit hohem Risiko (Meist 1,2 oder mehr Verwandte 1/2 Grades, die an Brust- oder Ovarialkrebs erkrankt waren) rekrutiert worden. Sie hatten Anastrozol in einer Dosis von 1 mg / Tag bzw. Placebo über 5 Jahre hinweg erhalten, und waren zum Zeitpunkt des Berichts median 131 Monate nachverfolgt worden.

Ergebnisse

  • Gezählt wurden 85 versus 165 Brustkrebserkrankungen zugunsten von Anastrozol, was einer Risikoreduktion von 49 % und einem Chancenverhältnis HR von 0,51 entspricht (95%-Konfidenzintervall 0,39 – 0,66; p
  • Die Reduktion war in den ersten 5 Jahren mit 61 % noch stärker ausgeprägt gewesen, in den nächsten 5 Jahren mit 50 gegenüber 76 Neuerkrankungen aber immer noch statistisch signifikant (HR 0,64; 95%-KI 0,45 – 0,91; p = 0,014).
  • Mit 54 bzw. 59 % war die Risikoreduktion für invasiven, Östrogenrezeptor-positiven Brustkrebs und für ein duktales Karzinom in situ (DCIS) ähnlich groß. Von Letzterem profitierten insbesondere Frauen mit positivem Östrogenrezeptor-Status (HR 0,22; 95%-KI 0,07 – 0,65; p
  • Die Gesamtmortalität war in beiden Gruppen mit 69 gegenüber 70 Todesfällen gleich (HR 0,96; 95%-KI 0,69 – 1,34); p = 0,82), ebenso beim Mammakarzinom mit 2 Todesfällen unter Anastrozol und 3 unter Placebo.
  • Unter Anastrozol wurde keine Häufung von Frakturen oder kardiovaskulären Krankheiten festgestellt.

Klinische Bedeutung

Die Autoren heben hervor, dass der langfristige Nutzen mit Anastrozol größer sei als mit Tamoxifen, und dass keine Häufung gefürchteter Nebenwirkungen wie Frakturen oder kardiovaskuläre Erkrankungen beobachtet wurde. „Die Zahl der Behandlungen zur Verhinderung einer Brustkrebserkrankung konnte auf 29 gesenkt werden“, schreiben sie, und verweisen darauf, dass der Gebrauch des Präparates sowohl vom britischen National Institute for Health and Care Excellence als auch von der US Preventive Services Task Force unterstützt werde.

Finanzierung: Cancer Research UK, National Health and Medical Research Council Australia, Breast Cancer Research Foundation, Sanofi Aventis, und AstraZeneca.