Analyse: In der Coronakrise funktionieren die Sektoren

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Berlin (pag) – Das Wissenschaftliche Institut der privaten Krankenversicherung (WIP) hat untersucht, warum Deutschland im europäischen Vergleich bisher glimpflich durch die Krise gekommen ist. Einer der Gründe liege im Zusammenspiel zwischen ambulantem und stationärem Sektor, führen die Studienautoren Dr. Christine Arentz und WIP-Leiter Dr. Frank Wild in einer Online-Pressekonferenz aus.

 

Auf 100.000 Einwohner kommen in Deutschland laut der WIP-Publikation „Vergleich europäischer Gesundheitssysteme in der Covid-19-Pandemie“ 600 Akutbetten und fast 40 Intensivbetten. Damit liegt die Bundesrepublik in Europa jeweils auf Platz eins. Dass die Zahl der Covid-19-Todesfälle in Deutschland bisher recht gering seien, führt Arentz unter anderem auf die Eindämmungsmaßnahmen zurück. Auch die vergleichsweise frühen Testungen und das Zusammenspiel zwischen Krankenhäusern und Niedergelassenen trügen einen großen Anteil. „Im Vergleich konnten viele Infizierte ambulant behandelt werden“, sagt sie. 20 Prozent fanden sich laut WIP auf Station wieder. Auch dass die Coronatests eher bei den Niedergelassenen stattfanden, sei positiv zu bewerten. „In anderen Ländern erfolgten Tests überwiegend in Krankenhäusern, was die Infektionsgefahr für das medizinische Personal und die Patienten dort erhöhte“, schreiben Arentz und Wild. „Es ist nicht richtig, die beiden Sektoren gegeneinander auszuspielen“, sagt Letzterer zum aktuellen Streit zwischen Krankenhaus- und Vertragsarztfunktionären.

 

Die Analyse zeige überdies, dass beitragsfinanzierte Gesundheitssysteme besser durch die Krise kämen als steuerfinanzierte, meint Wild. Dr. Timm Genett, Abteilungsleiter Politik beim Verband der Privaten Krankenversicherung, hält fest, dass sowohl gesetzliche wie auch private Krankenversicherung ihren finanziellen Beitrag in der Krise geleistet hätten. Mittlerweile habe der Bund in dieser Hinsicht begriffen, dass er sich nicht zurückhalten dürfe. Als Beispiel nennt Genett den angekündigten Bundeszuschuss zur Entlastung der Krankenkassen. „Hier beginnt der Staat, sich seiner finanziellen Mitverantwortung zu stellen – was nicht immer der Fall war.“

 

Die Studie finden Sie hier.