Analyse: 40 Prozent der Kliniken missachten Mindestmengen

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Gütersloh (pag) – Die Mindestmengenregelung zeigt 15 Jahre nach ihrer Einführung nicht die erzielte Wirkung: Laut einer Analyse des Science Media Centers und der Weissen Liste der Bertelsmann Stiftung halten 40 Prozent der Kliniken die Vorgaben nicht ein.

„458 von 1.152 Kliniken führten 2017 komplexe Eingriffe durch, obwohl sie die vorgegebenen Fallzahlen unterschreiten. Das entspricht bundesweit rund 4.300 Operationen“, teilt die Bertelsmann Stiftung mit. Je nach Art des Eingriffs ergeben sich laut der Analyse deutliche Unterschiede. Bei Bauchspeicheldrüsen-OPs liegen 34 Prozent und bei Speiseröhren-OPs 52,6 Prozent der Häuser unter den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestmengen. Von Bundesland zu Bundesland unterscheiden sich die Zahlen ebenfalls: In Mecklenburg-Vorpommern und  Baden-Württemberg erreichen circa 30 Prozent der Kliniken eine oder mehrere der Mindestfallzahlen nicht, in Brandenburg sind es allerdings rund 57 Prozent und in Bremen sogar 63 Prozent. Außerdem habe die Analyse zu Tage gebracht, dass ein Viertel der Kliniken, die Mindestmengen-Eingriffe durchführen, unvollständige Qualitätsberichte abgegeben hätten. „So hielten nur sechs von 112 Kliniken, die keine Angaben zur Einhaltung der Mindestmengen bei Speiseröhren-OPs machten, die vorgegebenen Fallzahlen ein“, nennt die Stiftung ein Beispiel.

Aus den Ergebnissen leitet die Stiftung Forderungen ab: Kliniken, die die Mindestmengen nicht einhalten, sollten sanktioniert werden. Der Gemeinsame Bundesausschuss müsse außerdem die derzeitigen Vorgaben erheblich erhöhen und Mindestmengen für weitere Eingriffe festlegen. Brigitte Mohn, Vorstand der Bertelsmann Stiftung, warnt: „Dass in Deutschland komplizierte OPs trotz fehlender Routine durchgeführt werden, darf nicht zum Klinikalltag gehören." Sie wünscht sich eine „Krankenhauslandschaft mit erfahrenen und spezialisierten Kliniken“.