Analinkontinenz nach Kaiserschnitt seltener als nach vaginaler Entbindung


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Das Risiko einer Analinkontinenz ist bei Frauen größer als bei Männern. Dies gilt vor allem für Frauen nach einer vaginalen Entbindung. Das Risiko ist bei ihnen größer als bei Frauen, die noch kein Kind geboren haben, und liegt auch über dem Risiko von Frauen mit Kaiserschnitt.

Hintergrund 

In vielen Ländern nimmt der Anteil elektiver Kaiserschnitte zu. Ein Grund dafür kann die Annahme sein, dass eine Sectio vor Störungen sowie Verletzungen des Beckenbodens – auch einer Analinkontinenz – schütze. Die Daten der bisherigen Studien hierzu sind nach Angaben der Autoren der vorliegenden schwedischen Studie widersprüchlich. 

Design

Bevölkerungsbasierte Beobachtungsstudie mit über 3,7 Millionen Personen und einem Beobachtungszeitraum von 1973 bis 2015. In dieser Zeit hatten 185 219 Frauen einen Kaiserschnitt und 1 400 935 eine vaginale Entbindung. Frauen mit Mehrlingsgeburten, einer Mischung von Kaiserschnitten und vaginaler Entbindung sowie mit mehr als vier Entbindungen waren ausgeschlossen. 

Hauptergebnisse

  • Bei 416 (0,22 %) der 185 219 Frauen mit Kaiserschnitt wurde eine Analinkontinenz diagnostiziert, in der Gruppe mit vaginaler Entbindung betrug der Anteil 0,37 Prozent (OR 1,65, CI 1,49 - 1,82, p
  • Bei Vergleich der Frauen beider Gruppen (Kaiserschnitt und vaginale Entbindung) mit Frauen, die noch kein Kind geboren hatten, ergaben die Berechnungen einen OR-Wert von 2,05 (1,92 - 2,19; p
  • Weitere Berechnungen ergaben, dass für eine Nullipara die Wahrscheinlichkeit einer Analinkontinenz größer ist als für einen Mann (OR 1,89; 1,75 - 2,05; p
  • Als stärkster Risikofaktor für eine Analinkontinenz nach vaginaler Entbindung erwies sich ein hohes Alter der Frau, ein hohes Geburtsgewicht und eine Zangengeburt. 
  • Einziger Risikofaktor nach einem Kaiserschnitt war ein hohes Alter. 

Klinische Bedeutung

Da das Risiko für eine Analinkontinenz nach Schwangerschaft und Entbindung steigt, empfehlen die Autoren, bei Frauen mit bekannten Risikofaktoren postpartum besonders sorgfältig auf die Entwicklung einer Analinkontinenz zu achten, um so früh wie möglich intervenieren zu können. 

Finanzierung: öffentliche Mittel (Schweden)