Alzheimer, schlechter Schlaf und Depressionen: Gibt es Kausalzusammenhänge?

  • Neurology

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften 

Die Alzheimer-Erkrankung beeinflusst laut einer Mendelschen Randomisierungs-Studie womöglich das Schlafmuster. Für die Hypothese, dass Schlafstörungen kausal an der Alzheimer-Genese beteiligt sind, fanden die britischen Autoren keine Belege. Auch für eine schwere Depression konnten die Wissenschaftler des Imperial College London
keine Belege für die Hypothese finden, dass sie eine Alzheimer-Erkrankung verursacht.

Hintergrund

Bei alten Menschen treten eine Alzheimer-Demenz, Schlafstörungen und Depressionen vergleichsweise oft gemeinsam auf. Zwischen Schlafstörungen sowie schweren Depressionen einerseits und einer Alzheimer-Demenz andererseits besteht Beobachtungsstudien zufolge auch ein statistischer Zusammenhang. Aufgrund der beobachteten Zusammenhänge werden Schlafstörungen und Depressionen immer wieder auch als mögliche Risikofaktoren für die Alzheimer-Demenz bezeichnet. Vermutet wurde auch schon, dass Schlafstörungen sogar eine kausale Rolle in der Genese der neurodegenerativen Erkrankung spielen könnten. Es könnte allerdings auch sein, dass die Alzheimer-Erkrankung, die wahrscheinlich mehrere Jahrzehnte vor der manifesten Demenz beginnt, Schlafstörungen fördert und auch Depressionen begünstigt. 

Da kausale Zusammenhänge und das bekannte „Henne-Ei-Problem“ nicht mit Beobachtungsstudien zu klären sind, haben die Autoren der vorliegenden Studie eine sogenannte Mendelsche Randomisierungsstudie durchgeführt. In solchen Studien wird der Einfluss von modifizierbaren Risikofaktoren auf Krankheiten untersucht, wobei Varianten von Genen mit bekannten Funktionen verwendet werden. Mit der Methode können auch mögliche Kausalzusammenhänge geklärt werden .

Design

Mendelsche Randomisierungsstudie mit den Genom-Daten der UK Biobank (N = 446 118), des „Psychiatric Genomics Consortium" (N = 18 759) und des „International Genomics of Alzheimer's Project“ (N = 63 926). Informationen zum Schlafverhalten basierten auf der Selbstauskunft der Teilnehmer und auf einem Monitoring mit einem Beschleunigungsmesser. 

Hauptergebnisse

  • Ein genetisch erhöhtes Risiko für die Alzheimer-Erkrankung war unter anderem signifikant assoziiert mit früherem Zubettgehen und Aufwachen, einer geringeren Schlafdauer, einer geringeren Wahrscheinlichkeit, eine lange Schlafdauer anzugeben, sowie mit weniger Schlaf-Episoden. 
  • Darüber hinaus ergaben die Analysen, dass ein solches erhöhtes Alzheimer-Risiko mit einem geringen Risiko für eine Schlafstörung einhergeht. 
  • Einen kausalen Zusammenhang zwischen abnormem Schlafmuster oder schwerer Depression und Alzheimer Erkrankung konnten die Autoren nicht feststellen.
  • Hingegen fanden die Autoren Belege, die einen möglichen Einfluss der Alzheimer-Erkrankung auf Schlafstörungen nahelegen. 

Klinische Bedeutung

Primär liefert die Studie Wissenschaftlern weitere Erkenntnisse zu den Zusammenhängen zwischen der neurodegenerativen Erkrankung und Schlaf sowie Depressionen. Zudem bietet sie Ansätze für weitere wissenschaftliche Untersuchungen. Die „Hauptbotschaft“ für den klinischen Alltag lautet, wie die Autoren betonen, bei Alzheimer-Kranken aller Krankheitsstadien auch auf Schlafstörungen zu achten, da diese die Lebensqualität der Patienten erheblich beeinträchtigen könnten. Konkrete Aussagen zu diesem empfohlenen „Schlaf-Management“ machen die Autoren nicht. 

Finanzierung: UK Dementia Research Institute