"Altruistische" Antikörper gegen Malaria entdeckt: neuer Ansatz für Vakzine


  • Nicola Siegmund Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Weltweit wird an Vakzinen gegen Malaria geforscht. In einer großen klinischen Feldstudie hat eine niederländische Arbeitsgruppe bei der Suche nach geeigneten Impfstoff-Antigenen eine Fraktion von Antikörpern entdeckt, die vor allem Dritte schützen.

Kernbotschaften

Der Malariaerreger Plasmodium falciparum kann die Produktion von Antikörpern hervorrufen, die eine Verschmelzung von Gameten des Parasiten in den Überträgermücken und damit die Verbreitung der Malaria verhindern. Die entsprechenden Antigene sind neue Kandidaten für einen Impfstoff. Die Antikörper verändern nicht das Infektionsrisiko oder den Verlauf einer Erkrankung bei jenen Menschen, die diese Antikörper bilden, sondern schützen Dritte.

Hauptergebnisse

In einer Feldstudie mit 649 Personen, die in Malariaendemiegebieten lebten oder sich länger dort aufhielten, wurden über längere Zeit die quantitativen und qualitativen Immunantworten gegen den Malariaerreger Plasmodium falciparum untersucht. Ein kleiner Teil der Studienteilnehmer (3,3 %) entwickelte Antikörper gegen Proteine auf Gameten des Parasiten oder auf deren Vorläuferzellen (Gametozyten) und verhinderte damit eine Befruchtung im Darmtrakt der Überträger, den Anophelesmücken. Bei Mücken, die im Labor Blut von Studienteilnehmern mit solchen Antikörpern erhielten, das mit Parasiten gemischt war, reduzierte sich die Fähigkeit, infektiöse Erreger zu bilden, um mehr als 90 %. Zu den entsprechenden Proteinen gehörten Pfs48/45 und Pfs230. Antikörper gegen diese Gameten- und Gametozyten-Proteine vermindern das Infektionsrisiko für weitere Personen drastisch, so die Forscher.

Design

  • Klinische Feldstudie mit insgesamt 649 Teilnehmern, die in Malariaendemiegebieten lebten oder sich dort längere Zeit aufhielten
  • Endemiegebiete in Gambia, Burkina Faso und Kamerun,
  • quantitative und qualitative Untersuchungen der Immunantworten
  • Plasmodium-Parasiten wurden gentechnisch mit einem für die Biolumineszenz verantwortlichen Gen von Leuchtkäfern transfiziert, damit sich Plasmodium-infizierte Mücken direkt von außen farblich erkennen ließen
  • Anophelesmücken aus den Endemiegebieten wurden im Labor mehrfach mit Blut der 649 Teilnehmer gefüttert, das mit den gentechnisch veränderten Malariaerregern gemischt war
  • Messung der Plasmodium-Infektionsraten in Assoziation mit der Antikörperzusammensetzung in den Blutmahlzeiten

Klinische Bedeutung

Weltweit sind circa 500 Millionen Menschen mit Malaria infiziert, Schätzungen zu Folge sterben jährlich 2 bis 2,7 Millionen Menschen an der Parasiteninfektion, vor allem Kinder. In Deutschland gibt es jährlich circa 1.000 Erkrankungen bei Einreisenden aus Endemiegebieten oder bei deutschen Touristen. Die in der aktuellen Studie identifizierten antigenen Proteine des Erregers, deren Neutralisierung durch Antikörper die Parasiten-Vermehrung bremst, werden als wichtiger neuer Ansatz gewertet für die Entwicklung eines Impfstoffs.

Finanzierung: Förderung aus öffentlichen Mitteln.