Alternativ- und Komplementärmedizin: Viele Krebspatienten reden darüber nicht mit dem behandelnden Arzt


  • Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

In einer großen, für Krebspatienten der USA repräsentativen Kohorte hat jeder Dritte angegeben, ein Verfahren der Alternativ- oder Komplementärmedizin zu verwenden, am häufigsten Heilkräuter, gefolgt von chiropraktischen und osteopathischen Methoden. Ebenfalls fast jeder Dritte unter den Nutzern sprach nicht über die Anwendung dieser Therapien mit dem Schulmediziner. Als häufigste Gründe wurden genannt: Der Arzt habe nicht danach gefragt, dies sei vermutlich nicht wichtig oder der Schulmediziner wisse zu wenig über Alternativverfahren.

Hintergrund

Viele Krebspatienten in westlichen Ländern suchen nach Therapien, die sie ergänzend oder alternativ zur Schulmedizin anwenden können. Je nach Methode der alternativen oder komplementären Verfahren und Art und Stadium der Tumorerkrankung aber können Patienten Nachteile haben: durch Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Methoden oder wenn alternative Verfahren als Ersatz für die Schulmedizin verwendet werden. Eine im vergangenen Jahr publizierte große Kohortenstudie hatte ergeben, dass sich das durchschnittliche 5-Jahres- und das Gesamtüberleben bei Patienten reduzierte, wenn sie alternative Methoden anstelle der Schulmedizin anwendeten (1). Dieses Ergebnis hat Besorgnis ausgelöst, so dass nun nach Gründen gesucht wird, warum Patienten nicht über alternative Heilmethoden sprechen möchten.

Design

  • große Kohortenstudie auf Basis des National Health Interview Survey (NHIS) der USA
  • NHIS: Von den Teilnehmern des NHIS sind unter anderem die medizinsichen Diagnosen bekannt und sie werden auch nach der Anwendung komplementärer oder alternativer Medizin (CAM) befragt

Hauptergebnisse

Von 3118 Teilnehmern mit Krebsdiagnose lagen komplette Daten für die Analyse vor. Bei 812 Patienten lag die Krebsdiagnose mindestens 2 Jahre zurück. 1023 Teilnehmer (33,3 %) nutzten CAM in den letzten 12 Monaten und 2095 Patienten (67,2 %) nicht.

Am häufigsten wurden Mittel auf Kräuterbasis verwendet (35,8 %) gefolgt von chiropraktischen oder osteopathischen Methoden (25,4 %), Massage (14,1 %) Yoga/Tai Chi (7,6 %) und Meditation und Achtsamkeitstraining (6,9 %). Von den CAM-Teilnehmern hatten 29,3 % nicht mit ihrem Arzt über die Anwendung von CAM gesprochen. Als Hauptgründe dafür nannten sie, Arzt oder Ärztin hätten nicht danach gefragt (57,4 %) oder sie hielten diese Information für unwichtig für den Behandler. 8,5 % meinten, der Schulmediziner sei zu schlecht über CAM informiert und 5,7 % sahen sich zu sehr unter Zeitdruck, um CAM anzusprechen.

Klinische Bed eutung

Vor dem Hintergrund der häufigen Anwendung von komplementären oder alternativen Heilmethoden bei Krebspatienten und der hohen Bedeutung, die die Anwendung für das Gesamtergebnis der Behandlung haben kann, mahnen die Forscher, in einschlägigen Leitlinien Diskussionen oder Fragen zu CAM zu empfehlen. In Deutschland nutzen nach Angaben der Deutschen Krebsgesellschaft 40 bis 50 % aller Krebspatienten CAM, am häufigsten Mistelpräparate, Vitamine und Spurenelemente.

Finanzierung: öffentliche Mittel